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Kontrovers

Attraktive Arbeitgeber im Tourismus

von | 23.09.2022 | Meinung

Geht das aus eigener Kraft oder ist auch die Politik in der Pflicht?

PRO: „Man müsste mal was gegen das schlechte Image im Gastgewerbe tun.“ Wie oft habe ich das in den letzten 20+ Jahren gehört. Enttäuschend für mich, die ich die Branche als Schmelztiegel von Charakteren kenne, die – mit Diversität und Know-how ausgerüstet – einfach machen, statt zu reden. Seltsam, dass in puncto Mitarbeitendenbindung (und Recruiting) aber oft noch halbherzig agiert wird.

Liegt vielleicht daran, dass der Personalbereich vielerorts eben Chefsache ist – nicht im besten Sinne, sondern als Nebenbei-Aufgabe. In einer Branche, in der Erfolg und Misserfolg so stark von der Leistung einzelner Mitarbeitenden abhängen, wird leider zu selten in professionelle Personalarbeit investiert. Vielmehr verharrt man oft in alten Denkmustern, die Mitarbeitende nicht als Partnerinnen und Partner des Unternehmenserfolgs sehen, denen man vertraut und auch etwas zutraut. Das treibt viele Angestellte um: Nicht eingehaltene Versprechungen rund um Arbeitsbedingungen, Verantwortung und Selbstbestimmung motivieren sie zur Suche nach einem neuen, einem besseren Arbeitsplatz.

Sorry, diese Verantwortung kann ich als Arbeitgeber oder Arbeitgeberin nicht abwälzen. Denn nur wir selbst können was für’s eigene Image tun und damit mittelfristig für eine ganze Branche. Kenne dein Produkt (= Arbeitsplatz) mit allen Stärken und Schwächen. Sei transparent, verbindlich und werde besser. Dazu gehört, ehrlich mit sich selbst ins Gericht zu gehen: Was läuft bei mir gut und was schlecht? Einfach mal die eigenen Leute befragen, hilft dabei, denn die sind schließlich die Referenz.

Wer das alleine nicht hinbekommt, muss sich Hilfe ins Haus holen mit Menschen, die fachlich ausgebildet sind und professionelle Personalarbeit leisten können. Und nicht auf Hilfe von diffusen Dritten warten. Das „Machen“ zeichnet gute Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber aus.

CONTRA: Der Branchenverband Dehoga hat in Rheinland-Pfalz mit neuen Entgelt- und Manteltarifverträgen für das Gastgewerbe seinen Beitrag zur Attraktivitätssteigerung der Beschäftigung in Gastronomie und Hotellerie geleistet. Dabei wurden auch die besonderen Rahmenbedingungen des Tourismus und des Gastgewerbes des Landes berücksichtigt.

So sollen beispielsweise trotz landesweit starker saisonaler Nachfrage-Schwankungen durch Jahresarbeitszeitkonten zukünftig möglichst viele Dauerarbeitsplätze geschaffen und gesichert werden. Ebenso enthält dieser eine signifikante Verbesserung der Ausbildungsvergütungen sowie eine Anhebung des Ecklohns um mehr als ein Drittel. Die Einstiegsgruppen des neuen Entgelttarifs liegen zukünftig stets über dem gesetzlichen Mindestlohn.

Trotzdem fehlen uns Mitarbeiter. Kaum eine Branche hat so sehr unter den Lockdowns der letzten zwei Jahre gelitten wie das Gastgewerbe. 25 Prozent unserer Mitarbeiter sind in andere Branchen abgewandert. Eine Trendumkehr ist noch nicht in Sicht. Die anhaltende Unsicherheit, die politische Entscheidungsträger vermitteln, bremst die Nachfrage. Tourismus und Gastgewerbe werden noch Jahre benötigen, um sich von der Pandemie zu erholen. Fachkräfte aus dem Ausland können Teile der Lösung sein, doch hier scheitert die Umsetzung an bürokratischen Hürden.

Ganz klar ist die Politik in der Pflicht, schnelle und praxisnahe Ansätze zu präsentieren. Angesichts dieser Herausforderungen und der Gesamtsituation verbieten sich Steuererhöhungen. Es ist dringend geboten, die steuerliche Gleichbehandlung von Essen dauerhaft einzuführen. Mit der Entfristung der sieben Prozent Mehrwertsteuer für die Gastronomie werden die dringend benötigten Perspektiven geschaffen. Gleichzeitig wird damit die überfällige steuerliche Gleichbehandlung von Essen hergestellt.

Heike Knauf ist ausgebildete Hotelfachfrau und studierte Betriebspädagogin/ Personalentwicklerin. Im Parkhotel Landau ist sie für HR und Personalentwicklung verantwortlich. Das Parkhotel Landau hat rund 50 Mitarbeitende und unlängst eine eigene Arbeitgeber- Marke „ÄänzicharDICH – Team Parkhotel Landau“ gelauncht.

 

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Alf Schulz ist Geschäftsführer des Bremerhof in Kaiserslautern. Er betreibt das Ausflugslokal mit kleinem Hotel und Biergarten mit rund 50 Angestellten und Aushilfen. Schulz ist seit neun Jahren Vizepräsident des Dehoga Rheinland-Pfalz.

 

 

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Alexander Kessler
Alexander Kessler

IHK Pfalz

Redakteur für Print, Web und Social Media im Bereich Öffentlichkeitsarbeit der IHK Pfalz.

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