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Ausbalancierte Technik für die Sinne

von | 19.11.2020 | Arbeitswelten

Eine der letzten Baulücken im neuen Stadtteil Rheinufer Süd in Ludwigshafen ist geschlossen: Im Balanced Office Building (BOB) sollen die helle, trans-parente Architektur und ein besonderer Raumklimakomfort modernes Arbeiten fördern. Die Pronova BKK, die Tarkett Holding GmbH und WSB Wolf Beckerbauer Hummel & Partner Steuerberatungsgesellschaft mbB sind die Mieter.

Die Natursteinfassade ist unterbrochen durch eine Glasfront. Die zahlreichen Fenster liegen tief eingelassen in dunkelgrauen Metallrahmen. Der Name ist in den Stein geschliffen. Edel und modern wirkt das neue Gebäude in der Rheinallee Nummer 13 in direkter Nachbarschaft zur Walzmühle. Doch was es eigentlich zu bieten hat, sieht man weder außen noch innen – man muss es mit seinen Sinnen wahrnehmen.

Wie viel Gebäudesystemtechnik soll es sein?

„Das Gebäude bietet eine hohe Behaglichkeit, im Winter wie im Sommer“, sagt BOB-Sprecher Volker Zappe. „Dazu nutzen wir Automation – aber nur dort, wo sie sinnvoll ist und den Nutzer nicht bevormundet.“ Und das ist ein schmaler Grat. Denn zum einen soll ein intelligentes Gebäude den Arbeitenden unterstützen, sich um Temperatur und Sauerstoff kümmern. Auf der anderen Seite will der Mensch nicht den ganzen Tag im abgedunkelten, geschlossenen Raum bei Kunstlicht arbeiten, auch wenn es energetisch das Beste für das Gebäude wäre. So müssen manchmal einfach das Fenster oder die Jalousie geöffnet und „Luft und Sonne reingelassen“ werden, weil es der Seele gut tut.

„Das BOB wird über Geothermie mit Wärme und Kälte versorgt und über eine Betonkernaktivierung geheizt und gekühlt. So kommen wir mit 26 bis 28 Grad Warmwassertemperatur auch bei Minusgraden in der Außenluft aus“, erklärt Zappe. Im Sommer kühlt das Wasser aus dem Erdreich direkt im Betonkern. Bei einem solchen trägen System stört es Gebäude dann auch nicht, wenn die Mitarbeiter einmal das Fenster im Winter aufmachen – da friert der Mensch schneller und schließt es wieder, als dass das Gebäude auskühlt. Die Jalousien sind im BOB sowieso innenliegend, um im Winter die Wärme der Scheiben zu nutzen. Werden diese im Sommer geöffnet, kann das kerngekühlte Gebäude auch damit umgehen.

Die Erfahrungswerte und die ausgeklügelte Technik kommen nicht von ungefähr, denn auch das BOB in Ludwigshafen ist Teil einer Bürogebäude- Serie. 2002 entstand in Aachen der Prototyp, seit 2013 wachsen die Gebäude in deutschen Städten. Die Idee dahinter: ein energieeffizientes, bezugsfertiges Bürogebäude mieten oder bestellen, wie beispielsweise einen Pkw.

BOB.i – die Grundlage für Künstliche Intelligenz

Gesteuert werden die Systeme der BOBGebäude durch die eigene Software BOB.i. Sie umfasst neben Kühl- und Heiztechnik unter anderem Lüftung, Sanitär, Beleuchtung, Alarm- und Brandmeldeanlage. BOB.i steht Nutzern und Betreibern von BOB-Gebäuden selbst auch als Bedienungssoftware zur Verfügung. Insgesamt werden so in den BOB-Gebäuden jährlich rund 17 Millionen Messdaten erhoben. Diese könnten in Zukunft sogar in einer Cloud gesammelt ausgewertet werden und als Grundlage für Künstliche Intelligenz dienen, die einen sich selbst optimierenden Prozess einleitet.

Nicht nur in der Steuerung, auch in der Planung des Gebäudes spielt die Digitalisierung eine große Rolle. Das BOB in der Rheinallee ist das erste der Serie, das vollständig digital entworfen wurde. Mittels Building Information Modeling (BIM) kann das Gebäude dreidimensional dargestellt und jedes Bauteil mit spezifischen Informationen hinterlegt werden. Auf der Baustelle kann dann der Baufortschritt mit Hilfe von Datenbrillen und Augmented Reality am BIM-Modell durch Überlagerung mit dem realen Bild überprüft werden. Das BIM-Modell könnte im späteren Betrieb durch Virtual und Augmented Reality auch noch eine Rolle im Zusammenspiel mit einer KI gesteuerten Haustechnik spielen. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

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Alexander Kessler
Alexander Kessler

IHK Pfalz

Redakteur für Print, Web und Social Media im Bereich Öffentlichkeitsarbeit der IHK Pfalz.

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