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Energie-Scouts in New York

„Betriebe können sofort Energie einsparen“

von | 30.11.2022 | IHK

Interview mit Markus Mettler, dem Urheber des Erfolgsprojekts „Energiescouts“

Markus Mettler ist technischer Betriebsleiter bei ebm-papst, dem mit 2,3 Milliarden Euro Umsatz und fast 15.000 Mitarbeitern führenden Hersteller von Ventilatoren und Antrieben.

Vor zwölf Jahren hat Mettler das Ausbildungsprojekt „Energiescouts“ erfunden, mit dem Auszubildende für Energieeffizienz und Klimaschutz sensibilisiert werden. Nun erhielt er vom Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz Robert Habeck und DIHK-Präsident Peter Adrian die Ehrenurkunde für sein Engagement.

Hier erklärt er, warum das Projekt nicht nur der Umwelt hilft, sondern auch die Betriebe und ihre Azubis weiterbringt.

Herr Mettler, Glückwunsch zur wohlverdienten Auszeichnung! Wie fühlt sich das an?

Ich freue mich darüber. Vor allem aber verdient die Initiative der Energiescouts jede Aufmerksamkeit, die sie erhalten kann. Gerade jetzt. Strom- und Gaspreise steigen stark an. Die Versorgungssicherheit ist in Teilen gefährdet. Betriebe, die Energie einsparen wollen und müssen, können sofort auf unser in der Praxis vielfach bewährtes Konzept zurückgreifen: Allein in Deutschland haben mehr als 10.000 junge Menschen in weit über 1.000 Unternehmen mitgemacht und sich zu Energiescouts ausbilden lassen.

Tourismus Alf Schulz

Der „Erfinder“ der Energie-Scouts: Markus Mettler von ebm-papst ©ebm-papst

Ihre Initiative haben Sie in einer Zeit gestartet, als die Energiepreise noch deutlich niedriger waren. Was hat Sie angetrieben?

Die Idee dazu hatte ich 2010. Energieeffizienz treibt mich schon mein ganzes Berufsleben um. Inspiriert hat mich auch ein Leitspruch unseres Unternehmensgründers Gerhard Sturm: „Jedes neue Produkt muss ökonomisch und energetisch besser sein als seine Vorgänger.“

Dieser Ehrgeiz hat auch mich gepackt. Also habe ich auf eigene Faust jeweils zwei Azubis aus dem kaufmännischen und aus dem gewerblichen Bereich angesprochen. Sie waren sofort Feuer und Flamme für das Vorhaben, „Energiefresser“ zu finden und aus dem Unternehmen zu verbannen. Daraus sind dann die Energiescouts geworden – junge Menschen im Betrieb mit besonderer Sensibilität für Energieeffizienz und betrieblichem Klimaschutz.

Gemeinsam mit der Unternehmenskommunikation und der Ausbildungsabteilung bei ebm-papst haben wir das Projekt bekannt gemacht und kontinuierlich weiterentwickelt.

Wie hat sich das Projekt entwickelt?

Begonnen haben wir bei uns im Betrieb. Später sind andere Unternehmen aufmerksam geworden, haben sich die Idee von uns erklären lassen. Als die örtliche IHK und in der Folge auch der DIHK eingestiegen sind, hat das Unterfangen eine enorme Dynamik erhalten.

Heute sind die Energiescouts in ganz Deutschland und in acht anderen europäischen Ländern zu finden. Insofern ist die Idee ein kleiner deutscher Exportschlager – wobei ich betonen möchte, dass daran niemand Geld verdient. Das Konzept ist frei nutzbar, die IHK-Kurse in aller Regel kostenfrei. Jedes Unternehmen kann mitmachen und unsere Ideen und Erfahrungen aufgreifen.

Hat die Berichterstattung über Klimawandel – Stichwort „Friday for Futures“ – und Nachhaltigkeit Ihrer Idee zusätzlichen Auftrieb gegeben?

Bestimmt. Allerdings muss ich sagen: Die jungen Menschen waren auch schon vorher leicht zu motivieren. Sie hatten Lust, eine Aufgabe zu übernehmen, an ihr und mit ihr zu wachsen. Uns war immer wichtig, dass die Auszubildenden eigenverantwortlich handeln: dass sie etwa selbstständig Angebote für Messgeräte einholen, sie sich vorführen und erklären lassen, dass sie selbst verhandeln und bestellen.

Sie haben das Thema zu „ihrem Projekt“ gemacht. Damit sind sie weit gekommen, auch im wörtlichen Sinne: Schließlich waren unsere Energiescouts schon in New York, wurden dort von der UN empfangen, haben bei der amerikanischen AHK referiert und Firmen und Schulen besucht.

Erwarten Sie sich mehr staatliche Unterstützung für Projekte wie die Energiescouts?

Ganz ehrlich: Anträge für staatliche Förderungen sind meistens so bürokratisch, dass sich der Aufwand nicht lohnen würde. Nein, der Antrieb muss vielmehr aus den Unternehmen selbst kommen: Azubis wachsen an der Aufgabe, ihre Bindung an den Betrieb wird gestärkt – und man senkt Betriebskosten. Praktisch jede Neuerung zur Steigerung der Energieeffizienz rentiert sich ab dem ersten Tag. Größere Aufwendungen amortisieren sich manchmal erst nach einigen Jahren: Aber dafür ist der deutsche Mittelstand ja bekannt – dass er in Jahrzehnten denkt, und nicht in Quartalen.

Auch mich persönlich hat das Engagement für die Energiescouts weitergebracht. Das gemeinsame Interesse hat zu einer Vernetzung unterschiedlicher Unternehmen und Regionen geführt, weit über den beruflichen Alltag hinaus. Selbst Mitbewerber saßen schon gemeinsam am Tisch und haben sich ausgetauscht. Wenn wir diesen Gedanken fortführen und auch in anderen Lebens- und Wirtschaftsbereichen leben, profitieren letztlich alle: Gesellschaft, Unternehmen und Umwelt.

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