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Video des Vortrags von Prof. Wolfram H. Wellßow am 27. Oktober im Forum Wissenschaft Wirtschaft & Politik Rhein-Neckar.

Blackout

von | 30.11.2022 | Meinung

Kommt er oder kommt er nicht? Das ist die Frage, die mir derzeit oft gestellt wird. Die ehrliche Antwort ist: Ich weiß es nicht. Das ist die Krux mit der Mathematik seltener Ereignisse, denn ein solches wäre ein flächendeckender Blackout. Seit den Anfängen des europäischen Stromverbunds in den 50er Jahren gab es zwar Teilausfälle, zum Beispiel 2003 in Italien, aber noch nie einen Totalausfall. Das ist bemerkenswert.

Kann es passieren? Selbstverständlich, und zwar unabhängig von der derzeitigen Mangelsituation. Dazu muss man wissen, dass jedes technische System für bestimmte Belastungen ausgelegt ist. Werden diese überschritten, wird es versagen. Man kann die Auslegungskriterien verschärfen, also quasi mehr Sicherheitsreserven einbauen, aber das kostet Geld.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit? Dazu müsste man alle denkbaren Szenarien durchrechnen. Bei einem so großen System wie dem Stromversorgungssystem geht deren Zahl gegen unendlich. Weiter müsste man deren Wahrscheinlichkeiten kennen. Von Sabotage durch physische oder Cyber-Angriffe ganz zu schweigen. Ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen? Wahrscheinlich, denn ein gestresstes System hat weniger Reserven und daher geringere Chancen, einen Event jenseits der Auslegungskriterien zu überstehen.

Müssen wir uns Sorgen machen? Nein. Dazu ist es wichtig, zwischen Blackout, Brownout und rollierenden Stromabschaltungen zu unterscheiden. Ein Blackout ist ein großflächiger Systemausfall, hervorgerufen durch eine Störung jenseits der Netzsicherheitskriterien. Ein Brownout ist eine konzeptgemäße, automatisierte Abschaltung von Verbrauchern in einem Störungsfall, um einen Blackout zu vermeiden.

Das gab es in Deutschland am 4. November 2006. Die meisten haben es gar nicht bemerkt, und nach einer Stunde war der Spuk vorbei. Rollierende Stromabschaltungen sind Notmaßnahmen infolge einer Mangellage, bei der gezielt und mit Ansage Lasten für eine begrenzte Zeit abgeschaltet werden, um das System zu entlasten. Der aktuelle Stresstest für den kommenden Winter hat ergeben, dass es unter extremen Worst-Case-Annahmen im kommenden Winter in drei bis zwölf Stunden zu Mangelsituationen in Deutschland kommen könnte. Dabei ist der kürzlich durchgesetzte Weiterbetrieb der drei Kernkraftwerke noch nicht eingerechnet.

Und wenn es doch passiert? Für diesen Fall gibt es ausgefeilte Notfallpläne, die permanent überprüft und trainiert werden. In weiten Landesteilen sollte die Versorgung nach acht Stunden wiederhergestellt sein, in entlegenen Gebieten nach einem Tag. Das ist nicht schön, aber auch kein Weltuntergang – selbst in einer Industrienation wie Deutschland. „Keep cool and carry on“, diese britische Gelassenheit würde ich mir wünschen. Und dass wir alle unsere Hausaufgaben machen in punkto Netzausbau und Erneuerbare.

Weitere Informationen zum Vortrag von Wolfram Wellßow am 27. Oktober: 

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Foto: stock.adobe.com – Moor Studio

 

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Fritz Lietsch gibt als Geschäftsführer des ALTOP Verlags auch das Magazin forum Nachhaltig Wirtschaften heraus. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen CSR und Nachhaltigkeit
und hat dafür den B.A.U.M.-Umweltpreis erhalten.

Wolfram H. Wellßow

Wolfram H. Wellßow

Univ.-Prof. em. Dr.-Ing. Wolfram H. Wellßow war bis 2022 Inhaber des Lehrstuhls „Energiesysteme und Energiemanagement“ an der Technischen Universität Kaiserslautern. Als international anerkannter Experte ist er unter anderem Vorsitzender des Energiebeirates der rheinlandpfälzischen
Landesregierung.

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