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Der Brexit ist das kleinere Problem

von | 31.03.2021 | Weltweit

Als eigenständig operierendes, traditionsreiches Unter-nehmen in der Luftfahrt macht die PFW Aerospace GmbH in Speyer international Geschäfte. Denn zur PFW-Gruppe gehören außer Speyer Standorte in der Türkei und in Großbritannien sowie Ingenieurbüros in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. 

Die Niederlassung PFW UK im britischen Nuneaton – nördlich von Coventry – wird derzeit hauptsächlich als Logistik-Standort genutzt. „Dort bündeln wir unsere logistischen Ströme nach Großbritannien. Britische Zulieferer, die für Speyer oder die Türkei produzieren, nutzen Nuneaton ebenfalls“, so Stefan Zimmermann, Vorsitzender der PFW-Aerospace-Geschäftsführung. Seit fast 30 Jahren weltweit in der Luftfahrt tätig und mit 15-jähriger Erfahrung bei Rolls-Royce, ist er sich sicher, dass sich die Präsenz vor Ort rechnet. „Das Modell funktioniert seit rund fünf Jahren bei der PFW sehr erfolgreich.“

54 Prozent der deutschen Unternehmen haben in Großbritannien Probleme mit Lieferketten und Logistik; nur in Indien ist die Quote höher. Quelle: AHK World Business Outlook 2020

Keine größeren Störungen
Seit 2016 wurde bei PFW der Tag des endgültigen EU-Ausstiegs vorbereitet. Durch die Dependance in Großbritannien verfügt die PFW-Gruppe seit langem über eine funktionierende Infrastruktur, die den Verwaltungsaufwand meistert. „Um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, sind wir vom Schlimmsten, dem No-Deal-Brexit, ausgegangen“, erzählt Zimmermann. „Zum Glück kam es nicht so weit, wir haben bis dato keine größeren Störungen durch den vollzogenen Brexit hinnehmen müssen.“

Auf der anderen Seite leidet  PFW wie viele andere Unternehmen unter dem gestiegenen Verwaltungsaufwand für Ein- und Ausfuhren, der viel Zeit kostet. Außer-dem hätten die Spediteure noch großen Klärungsbedarf, die offiziellen Stellen in Großbritannien seien überlastet. Man werde mindestens ein Jahr mit Unsicherheiten leben müssen. „Wären wir zurzeit in einer Situation ohne das Coronavirus, würden wir uns eventuell darüber aufregen“, kommentiert der PFW-Geschäftsführer die Brexit-Situation. „Wie sich der Luftverkehr während der Pandemie entwickelt hat und noch entwickeln wird, das treibt uns wirklich um.“

 

Alternativen zu  britischen Lieferanten
Mittel- bis langfristig erwartet PFW Aerospace kaum geschäftliche Veränderungen durch den Brexit – trotz der britischen Niederlassung. Denn das Unternehmen hat keine britischen „Endkunden“: Es liefert zwar Teile an Airbus in Großbritannien, doch das fertige Flugzeug wird aus Deutschland, Frankreich oder den USA in den Weltmarkt verkauft. Anders sieht es bei den britischen Lieferanten aus: „Wir haben uns bereits seit längerem auf dem Welt-markt umgesehen, um Alternativen zu finden“, so Zimmermann.

Bedauerlich findet der Geschäftsführer den Verlust der Flexibilität im Austausch von Mitarbeitern zwischen den einzelnen Stand-orten. „Zwar ist es immer noch möglich, aber nicht mehr kurzfristig, dabei aufwendig und kostenintensiv. Insofern ist das ein Hemmnis, allerdings kein schwerwiegendes Problem.“

Nach seiner beruflichen und menschlichen Erfahrung haben es „die Briten immer wieder geschafft, in letzter Sekunde die Kurve zu kriegen“. Deshalb hegt Zimmermann langfristig die Hoffnung, dass Großbritannien vielleicht nicht als Vollmitglied in die EU zurückkehrt, aber sich doch wieder umfangreicher an Europa bindet, etwa mit einem unbürokratischen Austausch von Arbeitskräften und Waren.

An den Standorten Speyer, Nuneaton/Groß-britannien und Izmir/Türkei beschäftigt PFW Aerospace über 2.200 Mitarbeiter. Das 1913 gegründete Unternehmen erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von mehr als  450 Millionen Euro. Im Jahr 2011 gingen die Pfalz-Flugzeugwerke mehrheitlich an Airbus, die PFW Aerospace GmbH entstand. Seit 2019 gehört das Unter-nehmen zur französischen Hutchinson-Gruppe. In den vergangenen zehn Jahren meldete PFW neun Patente an und ist Lieferant für eine Vielzahl von Programmen, darunter für Airbus und Boeing. Rohrsysteme zum Transport von Treibstoff, Wasser, Sauerstoff oder Hydraulikflüssigkeiten, Strukturkomponenten wie Druckböden, Rumpfverkleidungen und Trägerkonstruktionen sowie Treibstofftanks bilden das Produktportfolio des Traditionsunternehmens.

 

Weitere Information auf der IHK-Homepage:
IHK Pfalz Kompetenzzentrum Großbritannien

Das Kompetenzzentrum Großbritannien auf LinkedIn:
IHK Kompetenzzentrum Großbritannien auf LinkedIn

 

Foto: © TTstudio – Fotolia.com

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Marion Raschka
Marion Raschka

Freie Wirtschafts-Journalistin für IHK Interaktiv und das Wirtschaftsmagazin Pfalz.

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