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Produktion bei Convar

„Ein Jahr lang wird’s sicher noch ruckeln“

von | 30.03.2021 | Weltweit

Für eine britische Unternehmensgruppe mit Servicestandorten in Deutschland und Frankreich kam der Brexit nicht unerwartet, man hat früh die Weichen gestellt. Und doch trifft Convar Europe seit Jahresbeginn in der Praxis auf die eine oder andere Hürde.
„Der Brexit kam am Ende nicht ganz so hart wie angekündigt“, so Ralph Hensel, Geschäftsführer der Convar-Gruppe für Europa, mit Zentrale in Rochester/Kent. „Trotzdem war die frühe Entscheidung, europäisches und nicht-europäisches Geschäft zu trennen, für uns die beste Option. Auch wenn wir es uns im Herzen anders gewünscht hätten.“
Am Standort Pirmasens sei durch den Brexit die Produktion von haltbaren Lebensmitteln in den Vordergrund gerückt, sagt Hensel: „Denn seit 2017 war uns klar, dass wir in Zukunft nicht 80 Prozent der Lebensmittel ausschließlich in Rochester herstellen können. So bauten wir hier in der Pfalz eine Produktion für Europa auf.“ Convar Foods fährt nun zweigleisig: Großbritannien produziert für das Vereinigte Königreich sowie das nichteuropäische Ausland, und Pirmasens für den EU- und den osteuropäischen Markt.

 

Trotz Trennung Chancen sehen

„Heute, nach dem vollzogenen Brexit, sind wir ganz froh, dass wir zwei unabhängige Standorte für zwei unterschiedliche Märkte haben, die sich wahrscheinlich in den kommenden fünf Jahren auch ganz unterschiedlich entwickeln werden“, prognostiziert Hensel. Denn in Großbritannien gibt es nach seiner Erfahrung weniger Reglementierung in Unternehmensabläufen, bei der Produktion von Waren und viel mehr Eigenverantwortung als im Europa-Raum. Die liberalere Haltung der Briten könne sich beschleunigend auf wirtschaftliche Prozesse auswirken. „Wir sehen die Trennung als Chance und sind auf das Ergebnis gespannt.“

Weil aktuell Langzeit-Nahrung wie Militär- Verpflegung, Milch- und Eipulver noch nur in Deutschland produziert wird, gebe es trotzdem vermutlich noch das ganze Jahr über Schwierigkeiten mit der Lieferung nach Großbritannien. „Zu Jahresbeginn fanden wir keinen Spediteur, der nach Großbritannien gefahren wäre“, erzählt Hensel. „Einer der Hauptgründe war, dass die Zollabfertigung auf der englischen Seite noch nicht funktionierte und es dadurch zu extremen Verzögerungen kam.“
Exportaufwand ist starker Kostentreiber

Seit Februar funktioniert der Export wieder überwiegend glatt, allerdings mit sehr viel mehr bürokratischem Aufwand, was Zeit und Geld kostet. „Großbritannien ist für uns heute wie die Schweiz“, so der Convar-Geschäftsführer. „Aus unserem deutschen Logistikcenter können wir englische Kunden nicht mehr direkt beliefern, weil die Zollformalitäten für jedes Paket mit bis zu 20 unterschiedlichen, einzeln zu deklarierenden Produkten extrem sind.“ Außerdem: Viele der Convar-Erzeugnisse aus Deutschland sind bio-zertifiziert, dürfen aber nicht mit deutschem Bio-Siegel in Großbritannien verkauft werden. Andere Etiketten müssten gedruckt werden und vieles mehr. Man merke jetzt deutlich, wie angenehm leicht man sich im europäischen Binnenmarkt bewegt.

Wegen Corona tauscht Convar derzeit keine Beschäftigten zwischen den Standorten mehr aus, Probleme mit der Entsendung von Personal wird es deshalb nicht geben. „Außerdem driften die gesetzlichen Erfordernisse jetzt bereits so auseinander, dass in drei bis spätestens fünf Jahren die Unternehmen völlig getrennt agieren werden“, so Hensel.
Über Convar

Fünf unterschiedliche Geschäftsbereiche finden sich unter dem Dach von Convar: Seit 1992 bietet das Unternehmen einen Datenrettungsservice an, dazu kommt ein Elektronik-Reparaturservice sowie ein Logistikzentrum und Softwareentwicklung in Pirmasens. Seit 2012 gibt es Convar Foods, das in Deutschland und in Großbritannien angesiedelt ist. Convar Europe hat europaweit rund 220 Beschäftigte. Convar Foods mit Sitz in Pirmasens betreibt mehrere E-Shops wie etwa conserva.de. Die Plattform bietet ein breites Spektrum an Lebensmitteln zur Langzeitlagerung, Notfall- Lebensmittel und Outdoor-Food. Die Lebensmittelsparte erwirtschaftet rund 20 Prozent des Jahresumsatzes von mehr als  40 Millionen Euro.

convar.com

Weitere Information zum Brexit sowie zu den deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen erhalten Sie auf unsere Homepage:

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Foto: Convar

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Marion Raschka
Marion Raschka

Freie Wirtschafts-Journalistin für IHK Interaktiv und das Wirtschaftsmagazin Pfalz.

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