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„Der Krise zum Trotz“

von | 20.11.2020 | Arbeitswelten

Pandemie, Lockdown-Szenarien und fehlender Planungshorizont machen der Hotellerie schwer zu schaffen. Wo andernorts die nackte Sicherung der Existenz das Tun bestimmt, investiert Familie Kunz in Pirmasens mit dem Neubau eines zweiten Hotels in die Zukunft.

Ein 1950 von Emil Kunz gegründetes Café hat sich über die Jahrzehnte zu einem 4-Sterne-Hotel entwickelt, das sich erstes Haus am Platz nennen darf. Seit 2009 verantwortet Eric Kunz die Geschäfte der Hoteliers- oder besser gesagt Gastronomen- Familie. In dritter Generation hat er das Tätigkeitsfeld um einen Gastrobereich erweitert – mit „Emil’s Bar“ im Jahr 2012 und vor zwei Jahren „Emils Burgerei“, benannt nach dem (Ur-)Großvater.

Mit dem Burger-Restaurant trat Tochter Catharina in vierter Generation in die Geschäftsleitung ein. Neu waren außerdem der generationsübergreifende Ansatz und das direktere Ansprechen der jüngeren Klientel. Beides setzt sich in Emils Hotel fort, das im November nach 17-monatiger Bauphase an den Start ging: Vater und Tochter teilen sich die Verantwortung und nehmen ganz bewusst jüngere wie etablierte Zielgruppen mit. So möchte man neben Geschäftsreisenden, Touristen und Freizeitsportlern gerade das jüngere Publikum ansprechen.

Das zeigt sich im „Du“ der Ansprache im betont frischen Marketingauftritt. Und so spiegeln es auch die ersten Eindrücke des vierstöckigen, vis-à-vis dem Stammhaus gelegenen Gebäudes wider. Das offen gestaltete Interieur bietet dennoch viel Wohlfühl-Charakter, etwa einen Bierzapftisch oder ein Video-Gaming Zimmer. Auffällig ist die digitale Ausstattung: Bereits über die Buchung sind beispielsweise das Reservieren eines Stellplatzes in der Tiefgarage und der Check-in möglich, das Smartphone kann beim Öffnen der Türen die Chipkarten ersetzen.

In den 41 teils barrierefreien Doppelzimmern unterschiedlicher Kategorien liegen digitale Gästemappen bereit. Dabei handelt es sich um Tablets mit integrierten Funktionen wie Buchungssystem, Telefon, Fernbedienung, Sehenswürdigkeiten-Tipps und vieles mehr. „Ein zeitgemäßer, total praktischer Kommunikationskanal zwischen Gästen und Hotel“, wie Catharina Kunz beschreibt.

Sie weiß, wovon sie spricht, schließlich waren digitale Gästemappen das Thema ihrer Bachelor-Arbeit im 2019 absolvierten Hotelmanagement-Studium. Von der Digitalisierung profitierten beide Seiten: „Die papierlose Kommunikation in Echtzeit ist für den Betrieb effizient, mit statistischen Auswertungen und neuen Möglichkeiten im Cross-Selling. Der größte Nutzen jedoch dürfte im völlig neuen Gäste-Erlebnis liegen.“

Modern geht es auch in den vier Tagungsräumen zu, mit digitaler Komplettsteuerung von Equipment und Funktionen, großformatigen Touch-Monitoren und wertigem Mobiliar. „Wir haben bei den technischen Finessen an nichts gespart – es gibt derzeit nichts Moderneres dieser Art in Rheinland-Pfalz“, ist sich Eric Kunz sicher. Das sei gerade angesichts rückläufiger Nachfrage infolge der Pandemie umso wichtiger, denn „hohe Qualität war schon immer das beste Argument, um sich im Wettbewerb zu behaupten“.

Emils Hotel verfügt zudem über einen Fitnessraum sowie ein kleines Restaurant mit Außenbereich. Über die digitale Gästemappe kann man aber auch einen Tisch im Stammhaus mit angeschlossenem Restaurant reservieren, oder dortige Wellness-Angebote.

Die Investition beziffert Eric Kunz mit 6,7 Millionen Euro netto, 1,8 Millionen Euro davon getragen über Landeszuschüsse der Investitions- und Strukturbank. 15 vollzeitäquivalente Stellen wurden so neu geschaffen. „Der Krise zum Trotz“, sagt der Chef von damit 112 Mitarbeitern, darunter elf Köche und Hotelfachleute in Ausbildung. Allerdings, so räumt er ein, war zu Baubeginn an eine Pandemie noch nicht zu denken.

Die Investition beziffert Eric Kunz mit 6,7 Millionen Euro netto, 1,8 Millionen Euro davon getragen über Landeszuschüsse der Investitions- und Strukturbank. 15 vollzeitäquivalente Stellen wurden so neu geschaffen. „Der Krise zum Trotz“, sagt der Chef von damit 112 Mitarbeitern, darunter elf Köche und Hotelfachleute in Ausbildung. Allerdings, so räumt er ein, war zu Baubeginn an eine Pandemie noch nicht zu denken.

Heute jedenfalls ist er sicher, den richtigen Weg gegangen zu sein. Erste Reservierungen, noch weit bevor der erste Gast eingecheckt hat, mögen ihm Recht geben. „Welche Beschränkungen auch immer für unser Gewerbe noch kommen: Es wird eine Zeit nach der Pandemie geben, und dafür sind wir bestens vorbereitet!“

 

Fotos: Rüdiger Buchholz

www.emilshotel.de

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Andreas Becker
Andreas Becker

Freier Wirtschafts-Journalist für IHK Interaktiv und das Wirtschaftsmagazin Pfalz.

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