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Albrecht Hornbach Gespräch

Europa am Scheideweg

von | 02.05.2022 | Meinung

Als wären zwei Jahre Corona-Krise, hohe Energiepreise und gestörte Lieferketten noch nicht genug: Der Krieg in der Ukraine schraubt all diese wirtschaftlichen Widrigkeiten auf ein völlig neues Niveau hoch – ganz abgesehen von den schrecklichen Auswirkungen für die betroffenen Menschen. 
Wie eine jüngst publizierte Blitzumfrage des DIHK zeigt, stehen national viele Unternehmen vor existenziellen Planungs- und Handlungsproblemen, stellen Investitionen selbst in den originären Kernprozessen zurück und sehen die nationale Standortqualität sowie die internationale Wettbewerbsfähigkeit mehr denn je hochgradig gefährdet – auch ohne prinzipielle Gaslieferstoppdebatten oder Energieträgerabhängigkeiten.

Bleibt Energie verfügbar und bezahlbar und wie weit sind die Großmächte bereit für Rohstoffe zu gehen? Alles in allem sind dies herausfordernde Zeiten – insbesondere für die sehr exportorientierte und teils höchst energieintensive Wirtschaft in Rheinland-Pfalz.

Wir Unternehmer sollten die aktuelle Situation jedoch auch als Chance begreifen und in Deutschland sowie in Europa dazu nutzen, noch enger zusammenzustehen und gemeinsam unsere Bedenken, Positionen und Handlungsempfehlungen bei der Politik zu platzieren. Diesen engen und notwendigen Schulterschluss mit der Politik gilt es sowohl zu pflegen als auch einzufordern.

Was wird die Ukrainekrise an Veränderungen bringen? Erleben wir eine geopolitische Neuaufteilung der Welt mit Verschiebungen der Machtverhältnisse in Richtung Asien und China? Wird es gar zu einer strategischen Allianz zwischen Russland und China kommen und vor allem: Welche Rolle wird Europa überhaupt noch darin spielen? Wird die Ukraine schlimmstenfalls zu einer Blaupause für das wirtschaftlich überaus attraktive Taiwan? Die wesentliche Frage ist doch: Bleiben Demokratie, soziale Marktwirtschaft, Globalisierung, Wohlstand, Frieden und Menschenrechte unser europäisches Erfolgsmodell, das in die Welt exportiert wurde und auch weiter wird?

Etablierte Handelsbeziehungen neu denken

Neben nationalen Anstrengungen und europäischen Strategien müssen wir auch etablierte, internationale Handelsbeziehungen neu denken sowie althergebrachte Abhängigkeiten in Lieferketten und Versorgungsstrategien konstruktiv-kritisch hinterfragen. Doch vor allem bleibt kein Raum mehr für nationale Alleingänge in der Europäischen Union. Nur gemeinsam und geschlossen haben wir noch die Chance, dass globale Zukunftsfragen künftig nicht ausschließlich in den Zentren außerhalb von Europa entschieden werden. Das geschlossene Auftreten gegenüber Russland war von vielen nicht mehr für möglich gehalten worden, aber es macht Mut für die Zukunft. Die deutsche Wirtschaft kann auch Krise – zeigen wir es!

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Albrecht Hornbach

Albrecht Hornbach

Präsident der IHK Pfalz und Vorstandsvorsitzender der Hornbach Holding AG in Neustadt a.d.W. sowie Aufsichtsratsvorsitzender der HORNBACH-Baumarkt-AG, Bornheim.

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