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Das Haus mit Leben füllen

von | 30.10.2020 | Arbeitswelten

Die Renovierung des ehemaligen Hallenbad-Nord in Ludwigshafen ist fast abgeschlossen: Entstanden ist ein Zentrum für Innovation und Kultur. In den denkmalgeschützten Räumen finden künftig Coworking, Vorträge,
Workshops und Events unter einem Dach statt.

„Die Idee von Coworking ist nicht, dass man einen Schreibtisch zur Verfügung stellt, es geht darum, insgesamt einen inspirierenden Rahmen zu bieten. Das ist der Unterschied, den wir machen wollen“, sagt Jozua Knol, Geschäftsführer der Freischwimmer GmbH. „Coworking lebt davon, dass es ein Umfeld gibt, wo man gerne sein möchte. Da ist es wichtig, dass man das Haus mit Leben füllt. Stille, wie in einer Bibliothek, ist nicht das, was wir möchten.“ Knol ist mit Herzblut dabei, hat Visionen für Freischwimmer, Ludwigshafen und die Region.

„Die Stadt Ludwigshafen hat ihre Impuls-Seiten, hier passiert viel“, sagt der gebürtige Holländer, der in Österreich, Belgien und Frankenthal aufgewachsen ist. „Da muss man mit einer gewissen Arroganz sagen, es lohnt sich, hierher zu kommen“, legt er nach. Und sein Enthusiasmus kommt nicht von ungefähr. Mit jahrzehntelanger internationaler Erfahrung in der Wirtschaft hat er einen ganzheitlichen Fokus, hat das große Bild im Blick. Antwerpen als Partnerstadt beispielsweise. Dort gebe es rund 350 etablierte Start-ups, er selbst habe gute Kontakte in die Gründerszene. Die Städtepartnerschaft könnte ihnen als Sprungbrett in den deutschen Markt dienen – Freischwimmer bietet dazu eine Plattform.

Auf vier Säulen beruht das Konzept, mit dem Freischwimmer alsbald durchstarten möchte: Spaces, Academy, Kultur und Impuls. Unter Spaces fällt neben den bereits etablierten Coworking-Räumen auch das Freischwimmer als Event Location. Die Academy bietet darüber hinaus Seminare für die Zukunftsgestaltung von Unternehmen sowie für Fach- und Führungskräfte. Kulturveranstaltungen wie Klassik- und Jazzkonzerte oder Lesungen sowie Impulsvorträge mit Gastrednern aus Wirtschaft, Politik und Kultur runden das Konzept ab. Dabei ist alles business relevant, kann und soll zum Netzwerken mit Gleichgesinnten genutzt werden. „Und das alles findet in einem außergewöhnlichen Gebäude statt“, betont Knol.

Wo einst Kohl mit Gorbi saunierte – oder doch nicht?

Außergewöhnlich trifft es, denn das Freischwimmer – wie der Name schon anklingen lässt – ist das ehemalige Hallenbad Nord. Anlässlich des 100 jährigen Stadtjubiläums spendete die BASF 1953 eine Million Mark zum Bau des Bads, das im Oktober 1956 eröffnete. „Das denkmalgeschützte Gebäude mit seinem filigranen Architekturstil der 50er Jahre präsentiert heute eindrucksvoll die damals prägenden baulichen Grenzen der Physik“, heißt es auf der Website. Selbst Helmut Kohl saunierte dort mit François Mitterrand und Michail Gorbatschow – zumindest der Legende nach. Wegen zu hohen Sanierungskosten schloss das Bad letztendlich im Jahr 2001.

Mittlerweile nutzt die Gemeinschafts-Müllheizkraftwerk Ludwigshafen GmbH das Wettkampfbecken im Kopfgebäude als Löschwasserbevorratung, und 2016 erwarb die heutige Freischwimmer GmbH als Tochter der Technischen Werke Ludwigshafen AG (TWL) die restlichen Gebäudeteile, bestehend aus Foyer, Sauna- und Lehrschwimmbeckenflügel.

Und damit haben Knol und seine Mitarbeiter von Freischwimmer Großes vor. Immerhin investierten die TWL laut Presseberichten bereits über zwölf Millionen Euro in das denkmalgeschützte Gebäude; genaue Zahlen will das Unternehmen erst nach der Fertigstellung vorlegen.

„Das Gebäude ist außergewöhnlich, die Räume strahlen etwas Besonderes, etwas Positives aus, wenn man so will“, beschreibt Knol das Ensemble. Die Coworking-Spaces sind im Umkleidebereich untergebracht; alte Spinde, die Umkleiden selbst und die Duschräume – sie alle sind originalgetreu erhalten, aber technisch top ausgestattet. Das Büromaterial ist inklusive. High-Speed-Internetzugang in den weiß gekachelten Räumen, Multifunktionsdrucker in der Duschnische, die freie Kaffeeküche mit Seifenhalter an den Wänden. Das alte Lehrschwimmbecken, in dem vor vielen Jahren Ludwigshafener Kinder plantschten, wird heute für Seminare und Vorträge für bis zu 130 Menschen genutzt, und im Foyer mit angeschlossener „Milchbar“ spielt bald die hauseigene Jazzband.

Für die Region, aber nicht provinziell

Den Charme, den viele Coworking-Spaces beispielsweise mit Industriestil in neuen Gebäuden versuchen nachzumodellieren, hat das Freischwimmer also quasi von Haus aus inne. Doch während andere sich mit damit zufriedengeben, schaut Knol bereits weiter: „Die Optik ist die Basis, das Haus ist nicht beliebig, daher darf der Inhalt nicht provinziell sein.“ Der Macher hat dabei die Region fest im Blick, schielt konkurrenzlustig nach Berlin, und bleibt doch Realist. In anderthalb Stunden ist Ludwigshafen von sehr vielen Gegenden aus gut erreichbar, verortet er das naheliegende Einzugsgebiet. Referenten für Impulsvorträge, Seminare oder Workshops jedoch könnten von überall her kommen, deutschlandweit, international.

Im Juni noch sollten alle Arbeiten im Außenbereich des Freischwimmer planmäßig fertig werden. Dann könnte es eigentlich richtig losgehen – wenn es Corona nicht gäbe. Knol stand vor der Krise bereits in den Startlöchern: Im Herbst sollte es einen Energiegipfel geben, mit sieben Keynote-Speakern, inklusive Hausband und Networking. Urbanisierung und Smart City ist der Titel einer anderen geplanten Veranstaltung. Seminare zu agilem Arbeiten, Konfliktmanagement oder Design-Thinking, zusammen mit dem Hasso-Plattner-Institut, waren in der Pipeline. Die Staatsphilharmonie sollte Klassik im Innenhof des Schwimmbadkomplexes spielen, und ein Picknick-Konzert war angedacht. Lokale Winzer aus der Pfalz sollten dabei ausschenken und Weinseminare geben. Wann das Ganze wieder möglich sein wird, steht in den Sternen, aber das durchmischte Konzept ist an den Plänen erkennbar. In der Zwischenzeit ändert sich die Ausrichtung hin zu qualitativ hochwertigen Videokonferenzangeboten sowie dem Streamen von Inhalten. An Ideen mangelt es dem Freischimmer-Team offensichtlich ebenso wenig wie an Flexibilität und Umsetzungskompetenz. Knol: „Das ist kein Job wie jeder andere, das macht es spannend.“

 

Fotos: Freischwimmer

www.freischwimmer.lu

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Alexander Kessler
Alexander Kessler

IHK Pfalz

Redakteur für Print, Web und Social Media im Bereich Öffentlichkeitsarbeit der IHK Pfalz.

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