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Berkel Ahnengalerie künstlerisch

Geistreiche 175 Jahre liegen hinter Berkel

von | 25.10.2022 | Arbeitswelten

Seit 1847 stellt die Familie Berkel nun schon „Sprit“ her. Zunächst in der kleinen Essigfabrik und Brennerei PAN in Germersheim und ab der dritten Generation in der Pfälzischen Spritfabrik in Ludwigshafen, wo bis heute der Alkohol gebrannt wird.

Das Wort „Sprit“ kommt von Spiritus – dem Geist des Weines, wie seinerzeit die Mönche das nannten, was ihnen beim Erhitzen ihres Weines erstmals in die Nase stieg. „Obwohl die meisten Menschen Alkohol mit Trinkgenuss in Verbindung bringen, ist das trinkbare Ethanol doch noch erheblich vielseitiger einsetzbar und ein wahrer Tausendsassa. Es ist das einzige durch Fermentation – also Vergärung – gewonnene biologische Lösemittel“, erläutert Diplom Brennmeister Mathias Berkel, der die fünfte Unternehmergeneration verkörpert. Es kommt in der Medizin und der Kosmetik, in Druckfarben, Desinfektionsmitteln, Mundwasser, Schuhcreme und sehr vielen anderen Industrieprodukten sowie eben auch in Spirituosen und diversen Lebensmitteln vor.

Eine weitere Form des Geistes war aber für den Erfolg des Unternehmens wohl genauso bedeutend wie diese Vielseitigkeit: der familiäre Unternehmergeist. Nur damit konnte man all die Veränderungen, Verwerfungen, Krisen und Kriege in den letzten 175 Jahren überstehen, glaubt Berkel. Das Produkt ist dabei seit 1847 unverändert. Um mit dem Rohstoff Ethanol jedoch erfolgreich zu bleiben, hat sich im Laufe der Jahre alles andere um ihn herum ständig wandeln müssen: das Herstellungsverfahren, die Anwendungsgebiete, die unternehmerischen Strategien.

Jede Generation des mittelständischen Familienbetriebs hatte dabei ihre ganz eigene Aufgabe. Der findige Geschäftsmann Andreas Berkel legte 1847 mit seiner Essig und Spritfabrik den Grundstein. Seine Söhne Joseph und Heinrich führten den Betrieb ab 1875 in das Zeitalter der Industrialisierung. Josephs Sohn Heinz übernahm 1923 die Leitung der Sprit und Presshefenfabrik und steuerte sie durch die Zeit der Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg.

Berkel bunter Tank

Der bunte Tank auf dem Firmengelände ist ein weithin sichtbarer Hingucker.

Die große Aufgabe von Dieter Berkel (ab 1959) war es, die Fabrik von der Ludwigshafener Innenstadt 1973 nach Rheingönheim umzusiedeln und den Grundstein für zukünftige Weiterentwicklungen zu legen. Sein Sohn Mathias Berkel leitet seit 1989 die Geschäfte. Er stand, nachdem 1999 die staatliche Bundesmonopolverwaltung für Branntwein als Auftraggeber für 80 Prozent der Ethanolproduktion wegfiel, vor der Aufgabe, die Firma auf komplett neue Füße zu stellen. Die nächsten Jahre waren geprägt von einer umfassenden Umstrukturierung und dem Aufbau neuer Geschäftsfelder.

Nach dem geglückten Neustart gehört die Unternehmensgruppe Berkel heute zu den modernsten Destillerien und Alkoholraffinerien in Europa. Auf dem Areal der Firma spannt sich sichtbar ein Bogen zwischen Tradition und Moderne: von der Ahnengalerie im Bürogebäude über die glitzernden Destillationskolonnen und das spezialisierte Labor bis zu den wuchtigen Tanks. Davor grasen drei Esel als „nachhaltige Rasenmäher“.

Aber auch die Zukunft ist spannend. Mit Benedict Berkel steht nun die sechste Generation in den Startlöchern. Eine seiner ersten Aufgaben im Familienbetrieb war es, in der Hochphase der Corona Pandemie im Jahr 2020 eine effektive Versorgungsstruktur aufzubauen, als viele Apotheker kleine Mengen Ethanol zur Herstellung von Desinfektionsmitteln benötigten. Und jetzt beschäftigt er sich in der Berliner Niederlassung mit der Neuorganisation von Lieferketten.

 

Weitere Informationen:

 

www.berkel ahk.de

 

 

Fotos: Firmenfotos

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Kira Hinderfeld
Kira Hinderfeld

Freie Wirtschafts-Journalistin für IHK Interaktiv und das Wirtschaftsmagazin Pfalz.

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