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Albrecht Hornbach Gespräch

Inflation: das bislang unterschätzte Risiko

von | 21.01.2022 | Meinung

Bereits seit Monaten liegt die Teuerungsrate deutlich über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent. Hochgerechnet lag sie im Jahresdurchschnitt 2021 bei etwa 3,25 Prozent. Für dieses Jahr wird sogar erwartet, dass die Inflation trotz ausgelaufener Sondereffekte auf gut 3,6 Prozent im Jahresdurchschnitt ansteigen wird.
Erst im Laufe des kommenden und des übernächsten Jahres, so die Prognose der Deutschen Bundesbank, wird sie langsam absinken, aber weiterhin über der Zielmarke von zwei Prozent verharren. Allerdings steht diese Vorhersage stark unter dem Vorbehalt der pandemischen Lage. Diese Entwicklung ist nicht nur auf Sondereffekte wie die abgelaufene Mehrwertsteuersenkung im vierten Quartal 2020 und die Einführung von CO2-Emissionszertifikaten zurückzuführen.

Vielmehr sorgen die stark angestiegenen Energiepreise auf den internationalen Märkten für einen starken Preisschub, ebenso wie die Kostensteigerungen aufgrund von Liefer- und Transportengpässen, die auf die Verbraucher überwälzt wurden. Gleichzeitig treibt die hohe Nachfrage nach bestimmten Gütern zusätzlich die Preise. Und: Dass die Inflationsrate in den Jahren 2023 und 2024 weiterhin vergleichsweise hoch bleiben wird, liegt an der insgesamt erfreulichen Konjunkturlage mit steigenden Löhnen sowie an den Kosten des Umbaus hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft.

Zahlreiche Experten, unter ihnen die EZB, haben diesem Trend über lange Zeit hinweg zugesehen und sprachen von einem vorübergehenden Phänomen, während andere Experten – leider in der Minderheit – bereits vor Monaten vor der Gefahr einer sich verfestigenden Inflation warnten. Es war höchste Zeit, als die EZB kurz vor Weihnachten doch noch eingestand, dass die Inflation nicht nur vorübergehender Art ist und sich weitaus hartnäckiger hält als ursprünglich angenommen.

Dabei steht vor allem die Gefahr einer Lohn- Preis-Spirale im Raum, die vor dem Hintergrund der andauernden Pandemie unzählige Unternehmen in eine fatale und existenzbedrohende Lage bringen würde. Nun gilt es, mit vereinten Kräften lenkend einzugreifen, um größeren volkswirtschaftlichen Schaden abzuwenden.

Die britische und die amerikanische Notenbank haben sich bereits von ihrer Einschätzung einer vorübergehenden inflationären Tendenz verabschiedet und eine Zinswende eingeleitet bzw. planen diese zur Jahresmitte hin. Dieser Schritt fehlt bisher von der EZB. Aber auch die Politik steht in der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten, die Inflationsrate zumindest nicht weiter in die Höhe zu treiben, indem sie zügig die EEG-Umlage abschafft. Auch Pläne der Bundesregierung, den Mindestlohn im Laufe dieses Jahres schrittweise auf zwölf Euro zu erhöhen, tragen nicht unbedingt zur Beseitigung der Inflationsängste bei.

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Albrecht Hornbach

Albrecht Hornbach

Präsident der IHK Pfalz und Vorstandsvorsitzender der Hornbach Holding AG in Neustadt a.d.W. sowie Aufsichtsratsvorsitzender der HORNBACH-Baumarkt-AG, Bornheim.

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