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Kontrovers

Kontrovers: Fußgängerzone Pirmasens

von | 24.01.2022 | Meinung

Soll die südliche Hauptstraße in Pirmasens für den Autoverkehr geöffnet werden?

PRO: Die Pirmasenser Fußgängerzone leidet seit ihrer Eröffnung unter einem Konstruktionsfehler. Den Häusern auf der Ostseite fehlt eine Zufahrt auf der hinteren Seite. Die im Vorfeld versprochene Zufahrtsstraße wurde leider nie realisiert. Die Ladengeschäfte und Gewerbetreibenden wären ohne die Zufahrtsmöglichkeit über die Fußgängerzone vom Lieferanten- und Kundenverkehr abgeschnitten. Zusammen mit den „Falschfahrern“, die die Post oder andere Geschäfte anfahren, entsteht dann ein höheres Verkehrsaufkommen als in mancher Seitenstraße. Den Namen Fußgängerzone verdient der südliche Teil schon lange nicht mehr.

Die Umwandlung dieses Bereichs in eine verkehrsberuhigte Straße löst dieses Problem. Der Lieferanten- und Kundenverkehr wird dadurch in geordnete Bahnen gesteuert und von den Fußgängern getrennt. Durch die sinkende Einwohnerzahl und die Abwanderung der Käufer vom stationären zum Online-Handel stehen in der gesamten Fußgängerzone viele Geschäfte leer. Zudem ist die Pirmasenser Fußgängerzone ein langer Schlauch, den man über einen Kilometer weit mit vollen Einkaufstaschen hin- und zurücklaufen muss. Eine direkte Verbindung mit dem ÖPNV gibt es auch nicht. Gastronomie im südlichen Teil: Fehlanzeige. Ein Einkaufserlebnis, einer der wenigen Vorteile des stationären Handels gegenüber dem Online-Handel, ist das nicht! Ohne die inhabergeführten Familienunternehmen sähe es richtig düster aus in diesem Teil der Fußgängerzone.

Mit der Öffnung für den Autoverkehr können „Offline“-Dienstleistungen (Gastronomie, Werkstätten etc.) angeboten werden. Diese Unternehmen können dann ihre Mobilität besser nutzen und sind für ihre Kunden leicht erreichbar. Die vorhandenen Gewerbeflächen werden weiterhin sinnvoll genutzt, und es kommt wieder Leben in diesen Teil der Fußgängerzone.

CONTRA: Ich fühle mich beim Spazieren und beim Shopping in meiner Pirmasenser Fußgängerzone oder beim Gang zur Post wohl. So geht es auch Familien mit Kindern – Mama und Papa müssen bei den wenigen Autos nicht ganz so sehr auf ihre Kleinen aufpassen. Genuss durch Ruhe und Beschaulichkeit. Ist dies nur durch die eigene Brille geschaut? Ich verlasse mich bei der Frage lieber auf meine Kunden, und da besonders auf auswärtige – auch französische – Besucher unserer Stadt. Diese lobten immer unsere schöne Innenstadt und die lange Fußgängerzone mit den vielen noch vorhandenen inhabergeführten Geschäften. Besonders schöne Stellen wie Schlossplatz, Exe und Schusterbrunnen wurden mir blumig beschrieben.

Was Kunst und Kultur angeht, so wissen wir Geschäftsleute, dass wir die Lebendigkeit einer Innenstadt durch Verordnungen, Gebühren, Verbote, Richtlinien, Kunst- und Kulturförderung steuern könnten. Diesen Spiegel sollten sich der Stadtrat und die Verwaltung selbst vorhalten. Kunst- und Kulturschaffende und die Geschäftsleute stehen bereit; Ideen und Vorschläge gibt es viele.

Doch die Realität sieht anders aus. Was kann der Bürger von einem überalterten Stadtrat erwarten, in dem noch Personen sitzen, die vor rund zwei Jahrzehnten eine Müllverbrennungsanlage nach Pirmasens geholt haben, mit dem Parkhaus ein Autoabgasloch mitten in unserem Exerzierplatz zugelassen haben und heuer allen Ernstes den Neufferpark mit Wohnungen zubauen möchten?

Man kann den Eindruck gewinnen, dass Parteien, Stadtrat und Verwaltung den Knall der letzten Wahl noch nicht gehört haben. Bedeutet Umweltschutz hier bei uns immer noch, jeden Vorgarten an die Autobahn anzuschließen? Und so soll dieser „ökologische“ Verkehr auch in der Fußgängerzone rollen. Mir raucht der Kopf, mir fehlen die Worte.​

Thomas Günster ist Geschäftsführender Gesellschafter der Töns GmbH & Co. KG, Pirmasens. Töns bietet mit mehr als 90 Mitarbeitern Produkte und Dienstleistungen rund ums Büro an und ist Vollsortimenter bei Dokumentenmanagement, Druck & Kopie, IT-Solutions, Bürobedarf und Büroeinrichtung.

 

Bild: AdobeStock_450303617_c_iammotos

Jürgen Mendorf ist Inhaber der Goldschmiede Manfred Mendorf. Der Familienbetrieb wurde 1904 in der Hauptstraße gegründet. Seit Mitte 2001 führt Mendorf mit zwei Mitarbeitern das Geschäft.

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Alexander Kessler
Alexander Kessler

IHK Pfalz

Redakteur für Print, Web und Social Media im Bereich Öffentlichkeitsarbeit der IHK Pfalz.

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