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Kontrovers

Kontrovers: Gendern und Diversity

von | 29.11.2021 | Meinung

Wie viel Gewicht geben Sie den Themen Gendern und Diversity und erwarten Sie wirtschaftliche Konsequenzen Ihrer Haltung?

PRO: Diversity oder Vielfalt ist eine Tatsache – wir sind alle vielfältig, wir sind alle verschieden und waren es schon immer. Neu ist, dass Unternehmen heute dem Thema deutlich mehr Fokus und auch mehr Aufmerksamkeit schenken. Die Erwartungen der Arbeitnehmer verändern sich, denn unsere Gesellschaft verändert sich. New Work ist beispielsweise eine weitere konkrete Ausprägung dieser Veränderung.

Meine Erfahrung zeigt (und zahlreiche Studien stützen dies), dass speziell beim Thema Führung und Unternehmenskultur ein aktives Diversity Management ein nachhaltiger Erfolgsfaktor für Unternehmen ist. Konkrete Vorteile sind erhöhte Arbeitgeberattraktivität, Innovationsstärke und Mitarbeiterzufriedenheit. Somit stecken in „Diversity“ definitiv positive wirtschaftliche Konsequenzen.

Klar ist jedoch auch, dass Unternehmen schon immer vielfältig waren und eine diverse Belegschaft haben. Allerdings wird die ebenfalls notwendige Inklusion zu häufig nicht strukturiert, einheitlich und für alle wirksam im Unternehmen gelebt. Genau das wird von Mitarbeitern heute jedoch erwartet, und dieser Trend wird sich in Zukunft weiter verstärken. Für Unternehmen besteht also Gefahr, ohne Fokus auf Vielfalt Chancen und Potenzial nicht nutzen zu können.

Zur Frage des „Genderns“: Gendern wird heute gleichgestellt mit der Verwendung der gendergerechten oder geschlechter-bewussten Sprache. Es ist damit Teil der Bewegung zur Gleichbehandlung von Mann und Frau in unserer Gesellschaft. Es ist daher ein kleiner Teil des breiten Themenfeldes „Diversity“ und erfährt dafür leider überproportional viel Aufmerksamkeit.

Aus meiner Sicht steht die teilweise sehr hart geführte Diskussion ums „Gendern“ stellvertretend für die tiefgreifende Veränderung der Geschlechteridentität, die in unserer Gesellschaft gerade stattfindet. In der Sprache wird diese Veränderung deutlich sichtbar und für uns alle direkt spürbar. Auch mir ist Sprache wichtig, sie ist aber nur ein kleiner Teil einer viel größeren Veränderung. Ich persönlich schaue vorrangig auf das große Bild.

CONTRA: Diversität in Unternehmen, aber auch in Verbänden und Organisationen sollte meiner Meinung nach eine Selbstverständlichkeit sein. Wir beschäftigen in unserer Firmengruppe knapp 400 Mitarbeiter, 18 Nationalitäten, vier Weltreligionen und haben ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis – dies erreichten wir jedoch ohne Quote.

Gesellschaftlich sollten wir bedachter mit der Forderung nach Diversität umgehen, denn sie weckt im Zweifel Erwartungen, die womöglich nicht erfüllbar sind. Wir sollten wichtige Faktoren wie persönliche Identifikation und Kompetenz nicht in Vergessenheit geraten lassen, denn ein Unternehmen lebt nicht nur von Diversität, sondern vom Wissen jedes Einzelnen, welches in Summe das Gesamtbild des Unternehmens darstellt.

Immer wieder höre und lese ich, dass Diversität dazu beiträgt, Unternehmen erfolgreicher zu machen. Dies wird oftmals dadurch gestützt, dass erfolgreiche Unternehmen einen oft überdurchschnittlichen Diversitätsgrad aufweisen. Hier fehlt mir die wissenschaftliche Evidenz. Werden etwa bewusst die Begriffe Kausalität und Korrelation durcheinandergebracht? Könnte es nicht auch sein, dass erfolgreiche Unternehmen oft divers sind, weil die Diversität aus dem Erfolg, respektive dem zugrunde liegenden Mindset des Unternehmens, resultiert? Wir sollten Diversität leben, uns jedoch nicht mit Kleinigkeiten aufhalten, die nicht essenziell zum Unternehmenserfolg beitragen.

Gendern im Vergleich zur Diversität klingt für mich wie eine Strafe, die der Sprache auferlegt wird, und ein bewusst erzeugter Mehraufwand ohne spürbaren Mehrwert. Verträge, Dokumente, Präsentationen und vieles mehr müsssen angepasst werden. Dieser Aufwand wird Zeit und Geld kosten.

Wir sollen die Geschlechter nicht vergessen. Unsere Sprache bietet hierfür auch in der aktuellen Fassung genügend Möglichkeiten. Auch schon jetzt können wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ansprechen, ohne dabei gendern zu müssen. Sprechen wir doch lieber eine deutliche Sprache: Klartext statt Sternchen und Doppelpunkt!

Ulrike Reinhard ist Vorsitzende der Diversity & Inclusion Taskforce der Wirtschaftsjunioren Deutschland und Unternehmensberaterin. Sie unterstützt ihre Kunden in der Entwicklung moderner Organisations-. Führungs- & Zusammenarbeitskultur. Im Fokus steht dabei immer die Frage nach Wirksamkeit und Nutzen. Vielfalt als Basis für mehr Wertschöpfung, das ist das Ziel.

 

Bild: AdobeStock_450303617_c_iammotos

Thorsten Broich ist Landesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Rheinland- Pfalz und Geschäftsführender Gesellschafter der ACS Deutschland GmbH. Die ACS ist eine international agierende Ingenieur- und Servicegesellschaft mit Kernkompetenzen in Elektro- und Leittechnik, Arbeitssicherheit und technischer Gebäudeausrüstung von Planung und Montage bis zur Inbetriebnahme.

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Alexander Kessler
Alexander Kessler

IHK Pfalz

Redakteur für Print, Web und Social Media im Bereich Öffentlichkeitsarbeit der IHK Pfalz.

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Die Neuesten Kommentare

1 Kommentar

  1. Bernd Augustin

    Genderer verstümmeln dumm die Sprache zu einem peinlichen bis lächerlichen Gestottere.

    Aber das Allerschlimmste ist, durch die Reduzierung der Frauen auf ein billiges “in” und “innen” Anhängsel
    diskriminieren letztlich die Frauen, statt sie auf die gleiche Ebene zu heben.

    Das einzig Akzeptable ist die Doppelnennung!

    Und alle Nichtbinären können sich ihre Zuordnung aussuchen wie sie es auch bei den Damen und Herren Toiletten machen.
    Da kämen sie auch nicht auf die Idee auf die *Behinderten-Toilette zu gehen.

    Alles in allem ist das Gendern mit dem * nix anderes als Gesinnungterror und ein Erkennungszeichen dieser Gesinnungsminderheit.

    Antworten

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