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Solidarität

Nur als solidarische Gesellschaft haben wir eine Zukunft

von | 27.05.2021 | Meinung

Deutschland droht in der Pandemie die Tugend der Solidarität abhanden zu kommen. Solidarität ist keine sozialdemokratische Floskel, sondern der Kitt in unserer Gesellschaft, ohne den wir künftigen Wohlstand in Frage stellen.
Die Hygienedemonstrationen zeigen uns Mitbürger, denen es offenbar nur um die Befriedigung der eigenen (Konsum-)Bedürfnisse geht. Frei von jedwedem Verantwortungsbewusstsein, gilt für sie nur, wonach ihnen gerade der Sinn steht. Doch wir können uns dieses unreife Verhalten nicht leisten, denn wir stehen vor dramatischen Veränderungen.

Als Trendforscher beschäftigen wir uns mit Veränderungsprozessen in Wirtschaft und Gesellschaft. Veränderungen mit der größten Halbwertzeit bezeichnen wir als Megatrends. Hierzu gehören unter anderem die Alterung der Gesellschaft, die Digitalisierung oder die Energiewende. Zwei weitere Megatrends werden uns in den kommenden Jahren noch intensiver beschäftigen: der Klimawandel und das Phänomen der sozialen Ungleichheit.

Wir müssen (wieder) zu einer erwachsenen Gesellschaft werden und zu einem solidarischen Miteinander zurückfinden, wenn wir diese Herausforderungen bewältigen wollen.

Ungleichheit bedroht auch die Gesellschaften im reichen Europa. Nahezu in allen EU-Staaten können Eltern nicht mehr garantieren, dass es ihren Kindern mindestens genauso gut gehen wird wie ihnen selbst. Aber wir brauchen wieder diese Erfolgsgeschichten (Soziologen nennen das „soziale Aufwärtsmobilität“), um gerade junge Menschen von Demokratie und Leistungsbereitschaft überzeugen zu können. Wie kann uns das in Zukunft wieder gelingen?

Hier kommt der zweite hochrelevante Megatrend ins Spiel: der Klimawandel. In den kommenden rund zehn Jahren muss es uns gelingen, eine neue Weltwirtschaftsordnung zu schaffen, die ohne weitere Kohlendioxidemissionen auskommt. Der Green New Deal der EU und Joe Bidens gigantischer 2-Billionen-US-Dollar-Infrastrukturplan arbeiten genau in diese Richtung. Vereinfacht gesagt müssen wir uns bis ins Jahr 2030 von Verbrennungsmotoren, Erdöl, Erdgas und Kohle verabschieden.

Forscher von „Rewiring America“ haben berechnet, dass dieser Wandel möglich ist und darüber hinaus ein gigantisches Konjunkturprogramm darstellt, das weltweit Millionen an neuen Arbeitsplätzen schafft. Diese neuen und hochwertigen Arbeitsplätze brauchen wir, um Menschen aus der sozialen Ungleichheit herauszuholen und ihnen eine Zukunftsperspektive zu geben.

Das ist unsere sozial-ökologische Zukunftsagenda für die kommenden Jahre. Aber nur als solidarische Gesellschaft werden wir in der Lage sein, diesen Wandel zu bewältigen.

 

Grafik: stock.adobe.com – Quarta

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Dr. Eike Wenzel

Dr. Eike Wenzel

Gründer und Leiter des Instituts für Trend- und Zukunftsforschung (itz) in Heidelberg und Mitglied des Nachhaltigkeitsrats der baden-württembergischen Landesregierung

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