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Pfälzer Brauereien trotzen dem Negativtrend

von | 29.07.2021 | Arbeitswelten

Im Biergarten mit einem frisch gezapften „kühlen Blonden“ den Tag ausklingen lassen. Was eigentlich wie eine Selbstverständlichkeit klingt, stand monatelang auf dem „Corona-Index“. Erst langsam wagt sich die Gastronomie wieder an so etwas wie Normalität heran. Und auch die pfälzischen Brauereien nehmen nach Monaten der Ohnmacht langsam wieder Fahrt auf.

Seit Jahren ist der Bierabsatz in Deutschland rückläufig. So hat sich seit 1993, dem Jahr des Inkrafttretens des neuen Biersteuergesetzes, die Menge des verkauften Bieres nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes um 2,5 Milliarden Liter verringert. Das entspricht einem Rückgang von 22,3 Prozent. Im Corona-Jahr 2020 sank der Bierabsatz noch einmal um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine Entwicklung, die den Verdrängungswettbewerb in der Branche weiter forciert.

Geschlossene Restaurants und Gaststätten sowie abgesagte Volksfeste und Großveranstaltungen haben auch die pfälzischen Brauereien hart getroffen. Roald Pauli, Geschäftsführer der Park & Bellheimer Brauereien mit ihrem Hauptsitz in Pirmasens, hat dafür eine plausible Erklärung: „Durch den bei uns überdurchschnittlich hohen Anteil an Fassbier, der etwa 40 Prozent ausmacht, haben wir überdurchschnittlich starke Einbußen zu verzeichnen.“ In Summe bedeute dies für das vergangene Jahr 20 Prozent weniger Absatz und 24 Prozent weniger Umsatz als 2019. Auch bei der Privatbrauerei Bischoff in Winnweiler kam das Fassbier-Geschäft „völlig zum Erliegen“, wie Geschäftsführer Sven Bischoff im Interview erklärt.

Die Unternehmensziele von Park & Bellheimer seien „auf gesundes und moderates Wachstum ausgerichtet“. Ersichtlich sei aber, dass der Biermarkt an Volumen verliere. Pauli hat dafür ein Gegenmittel: „Rückläufige Absätze bei einzelnen Sorten werden in unserem Hause durch Produktinnovationen ausgeglichen.“ Ein Trend, der längst auch in Winnweiler angekommen ist: „Wir waren zum Glück schon immer am Puls der Zeit und haben früher schon Biermischgetränke angeboten, welche wir nun auch noch durch eine eigene Craftbier-Linie ergänzt haben“, beschreibt Bischoff die Entwicklung.

Die Pfälzer Brauer scheinen für den Re-Start also gut gerüstet: „Wir haben uns auf diese Entwicklung frühzeitig und mit großem Erfolg eingestellt“, so Pauli. „Mit Naturradler konnten wir die Absätze im ersten Halbjahr um 20 Prozent steigern, mit unserem alkoholfreien Naturradler sogar den Absatz in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres verdoppeln.“ Biermischungen machten übrigens im Jahr 2020 mit 437 Millionen Litern rund fünf Prozent des gesamten Bierabsatzes in Deutschland aus.

Aber auch davon, dass deutsches Bier weltweit beliebt ist, profitieren die pfälzischen Brauereien: So konzentrieren sich Park & Bellheimer auf das grenznahe Frankreich und erzielen eine Exportquote von 18 Prozent. Bereits seit 20 Jahren hat sich die Privatbrauerei Bischoff dem Export verschrieben. Mittlerweile gehen 60 bis 70 Prozent des gebrauten Biers in den Export, überwiegend nach Italien, Frankreich, Israel und China. „Der Export ist für uns ein immer wichtigeres Standbein, auch weil deutsche Biere weltweit nach wie vor einen sehr guten Ruf genießen“, weiß Bischoff.

„Unsere strategische Ausrichtung hat sich in der Pandemie bewährt“, analysiert Pauli rückblickend. Denn neben dem regulären Bierabsatz von rund 200.000 Hektolitern produzieren und vertreiben Park & Bellheimer unter dem Markennamen „Bellaris“ weitere rund 110.000 Hektoliter alkoholfreie Getränke. „Den Absatzverlust von Bellaris in unseren rund 1.600 Gastronomiebetrieben während der Pandemie konnten wir durch Mehrabsätze im Lebensmittelhandel vollständig ausgleichen“, so Pauli. Biere und eigene alkoholfreie Getränke unter einem Dach seien ein bedeutender Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Brauereien, so Pauli. Park & Bellheimer beschäftigen an ihren beiden Standorten rund 135 Mitarbeiter. Bei der Privatbrauerei Bischoff werden je nach Auftragsbestand für Lohnbrauaufträge zwischen 80.000 und 120.000 Hektoliter pro Jahr produziert, aktuell beschäftigt Bischoff 34 Mitarbeiter in Winnweiler.

Übrigens: Die gravierendsten Einbrüche im Jahr 2020 gab es nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes in den Monaten April (- 17,3 Prozent), Mai (- 13 Prozent) und November (- 14,1 Prozent). Die auch in 2021 lange Zeit geltenden Einschränkungen in der Gastronomie werden wohl auch dieses Jahr negativ beeinflussen. Pauli bleibt realistisch: „Einen normalen Geschäftsverlauf erwarten wir erst für 2022.“

Lesen Sie das ganzen Interview hier.

 

www.bischoff-bier.de

www.park-bellheimer.de

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Dirk Leibfried
Dirk Leibfried

Freier Wirtschafts-Journalist für IHK Interaktiv und das Wirtschaftsmagazin Pfalz.

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