IHK INTERAKTIV
Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content

Projekt Klimafreundliche Mitarbeitermobilität – Gemeinsam anpacken

von | 18.11.2020 | Infrastruktur

Die jetzt vorgestellte Studie zu klimafreundlicher Mitarbeitermobilität  des Instituts für Management und Innovation (IMI) der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen kommt zur rechten Zeit. Sie zeigt Handlungsfelder auf, aber auch die Grenzen für Unternehmen und Pendler. Hier muss weitergedacht werden.

Beim Lesen der Studie gibt es einige Aha-
Erlebnisse, aber auch etliche Allgemeinplätze. So ist es durchaus nicht überraschend, dass die Befragten in
den kommenden zehn Jahren signifikante Behinderungen im Ludwigshafener Straßenverkehr erwarten und davon
ausgehen, deutlich mehr Zeit für den Arbeitsweg einplanen zu müssen. Hingegen interessant ist, was genau die Pendler antreibt. So lässt sich laut der Studie feststellen, dass für Autopendler erst eine zusätzliche Fahrtzeit von 30
Minuten die kritische Schwelle ist, ab der sie über Alternativen nachdenken. Oder dass die Toleranzschwelle für die Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) gerade mal bei einem Umstieg liegt. Muss man zweimal umsteigen, fährt die Mehrzahl der Befragten lieber weiter mit dem Auto – Stau hin, Stau her.

„In der Studie leiten wir aus den Ergebnissen der Mitarbeiterbefragungen sowie Erfahrungswerten und Einschätzungen der Projektpartnergruppe Handlungsempfehlungen für ÖPNV, Radmobilität und Fahrgemeinschaften ab“, sagt Projektleiter Philipp Tachkov vom IMI. Die vorgeschlagenen Maßnahmen betreffen sowohl die öffentliche Seite als auch die private Arbeitgeberseite, die Synergien schaffen und nutzen müssen. „Hier sind beide Seiten in der Pflicht“, betont Tachkov.

Maßnahmen von zwei Seiten gestalten

Bei den Handlungsempfehlungen ist es daher notwendig, beiden Seiten einem Thema nähert: So kann zwar ein Job-Ticket eingeführt werden, aber aus der Befragung geht hervor, dass sich die Mitarbeiter einen pünktlichen, schnell getakteten und durch Apps transparenten und kundenorientierten ÖPNV wünschen. Wer aufs Rad umsteigen soll, wünscht sich beleuchtete, sichere und möglichst schnell befahrbare Radwege. Hier ist es natürlich von Vorteil, wenn der Arbeitgeber einen trockenen, elektrifizierten und sicheren Unterstellplatz bietet, mitsamt kleiner Werkstatt und natürlich Duschen für die Radler.

Doch wie motiviert man zum Umstieg? Die klassischen Mechanismen Zwang und Anreiz sind in der Studie erkennbar.
Wird eine Straße zugunsten von Radwegen um eine Spur verengt, entsteht noch mehr Stau, das Auto wird noch unattraktiver. Doch regnet und stürmt es, ist der Umstieg aufs Rad auch nicht attraktiv – der Pendler hat dann nur die
Wahl zwischen zwei Übeln. „Aus dem Verteilungskonflikt werden wir nicht herauskommen, der Raum ist knapp in den Städten“, beschreibt Tachkov das innerstädtische Dilemma. Von der Anreiz- Seite her gesehen könnte allerdings eine in der Studie vorgeschlagene Radbrücke durch die Stadt das Radfahren attraktiver machen, ohne sofort die Autopendler weiter zu beeinträchtigen. Scheint die Sonne, können Pendler radeln, regnet es, bleibt das Auto eine erträgliche Alternative. An dieser Stelle kommt die städtische oder kommunale Infrastruktur ins Spiel und Maßnahmen von Unternehmensseite stoßen an ihre Grenzen. Ebenso bei den Wünschen nach erhöhter Taktzahl der Bahn, deren Strecken jetzt schon voll ausgelastet sind. Neue Bahnstrecken zu bauen, erreicht dann gleich ganz andere Dimensionen. „Die Ebene der Planung wird von Lösung zu Lösung unterschiedlich gelagert sein müssen“, sagt Tachkov. „Aber mit Kleinstückchen, hier ein bisschen, da ein bisschen, wird man nicht weiterkommen.“

Mehr Möglichkeiten bei Radmobilität als bei ÖPNV

Hervorzuheben ist, dass auch ein Umstieg von der Bahn auf das Rad auf Kurzstrecken wieder Kapazitäten in der Bahn freimache. Das könnten Firmen durch eigene E-Roller oder E-Fahrräder unterstützen. Da müssten dann nicht gleich neue Bahnstrecken gebaut werden. Bei der Radmobilität sehe Tachkov generell mehr Luft nach oben als beim ÖPNV. Darüber hinaus sei es wichtig, die Handlungsempfehlungen in unterschiedlichen Zeithorizonten zu strukturieren. Vieles könne schnell umgesetzt werden, anderes brauche eben mehr Vorlauf – wichtig sei es vor allem, Alternativen der Mobilität aufzuzeigen.

 

Foto: stock.adobe.com – puhhha, Lotz

Themen

Schlagwörter

Teilen

Von

Alexander Kessler
Alexander Kessler

IHK Pfalz

Redakteur für Print, Web und Social Media im Bereich Öffentlichkeitsarbeit der IHK Pfalz.

Diskutieren Sie mit

Die Neuesten Kommentare

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr von IHK Interaktiv

Verwandte Beiträge

Die neuesten Beiträge

Aus Allen Themenbereichen

Albrecht Hornbach Gespräch
Infrastruktur ist eine Daueraufgabe unabhängig von Krisen
Infrastruktur ist eine Daueraufgabe unabhängig von Krisen

Die knappen personellen Kapazitäten werden jetzt für den Wiederaufbau der Verkehrswege in den Hochwasserkatastrophengebieten benötigt. Das geht nur zulasten anderer wichtiger Infrastrukturprojekte.Die knappen personellen Kapazitäten werden jetzt für den Wiederaufbau der Verkehrswege in den Hochwasserkatastrophengebieten benötigt. Das geht nur zulasten anderer wichtiger Infrastrukturprojekte.