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Schlüsselfaktor Dachmarke Pfalz

von | 21.09.2022 | IHK

Wenn eine pfälzische Region touristisch gut erschlossen ist, dann die Südwestpfalz. Gäste kommen hier seit langem her, viele sind „Wiederholungstäter“. Im Gespräch erläutert Michael Zwick in seiner Doppelfunktion als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland und stellvertretender Vorsitzender der Pfalz Touristik seine Erkenntnisse aus der Studie und seine Vorstellungen zur künftigen Entwicklung des Pfalz-Tourismus.

Welche Erkenntnisse aus der aktuellen
Studie haben Sie als erfahrenen Tourismusförderer am meisten überrascht?

„Um ehrlich zu sein, hatte ich die meisten Resultate erwartet. Was mich überrascht hat, waren die Daten rund um den Tagestourismus, insbesondere die zahlreichen Tagesgäste in Zweibrücken. Auf den zweiten Blick natürlich erklärbar durch das Outlet-Center, das jährlich mehrere Millionen Besucher in die Region lockt. Positiv überrascht hat mich außerdem der hohe Bruttoumsatz von 2 Milliarden Euro durch den Tourismus insgesamt, das ist auf jeden Fall eine Hausnummer, die für die gesamte Branche spricht.“


Welchen Nutzen ziehen Sie als Politiker aus der Studie?

„Ich bin froh, dass wir endlich wissenschaftlich fundiert ermitteltes, aktuelles Zahlenmaterial gebündelt an der Hand haben, weil sich damit viel besser und überzeugender argumentieren lässt.“

Haben Sie als stellvertretender Vorsitzender der Pfalz Touristik bereits Pläne gemacht, wie der Verein die Studienergebnisse konkret umsetzen kann?

„Gerade befinden wir uns in der Pfalz am Ende eines umfassenden Strategieprozesses: Der Pfalz-Tourismus soll auf neue Beine gestellt und die Pfalz Touristik organisatorisch gestrafft werden. Denn wir haben festgestellt, dass wir als Pfalz Touristik mit anderen Ferienregionen, was die personelle und die finanzielle Ausstattung anbelangt, bei weitem nicht mithalten können. Straffung bedeutet in diesem Fall nicht weniger Personal oder Budget, denn wir müssen auf Pfalz-Ebene noch viel mehr ins gemeinsame Marketing investieren und das Management effektiver gestalten.“

Michael Zwick

Michael Zwick ist Bürgermeister der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland und stellvertretender Vorsitzender der Pfalz Touristik.

Was ist für Sie die zentrale Botschaft an
sämtliche Tourismusbeteiligten in der Pfalz?

„Wir müssen die Pfalz als Dachmarke stärken, um national und international in der Lage zu sein, mit Konkurrenzregionen wie Schwarzwald und Harz mithalten zu können. Das geht zum einen nur mit der entsprechenden Expertise und zum anderen mit ausreichend finanzieller und personeller Ausstattung. Der Pfalz Touristik haben bislang einfach die Ressourcen gefehlt. Die Eifel beispielsweise ist viel besser ausgestattet als wir hier in der vergleichsweise wohlhabenden Pfalz – von Regionen wie Schwarzwald oder Allgäu ganz zu schweigen.

Zwar können sich unsere Übernachtungs- und Umsatzzahlen sehen lassen, aber wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Gerade jetzt nicht, nach der Pandemie, wo Wandern, Naturerlebnisse und Aktivurlaube ‚in‘ sind, wo die Menschen gerne Urlaub im eigenen Land machen wollen. Diese Wünsche müssen wir nutzen und uns als Komplettanbieter ins Gespräch bringen. Dann bin ich sehr zuversichtlich, was die mittelfristige Entwicklung des Pfalz-Tourismus angeht.“

Eines der aus der Studie abgeleiteten Ziele ist,
aus Tagestouristen Übernachtungstouristen
zu machen. Wo sehen Sie dafür einen Hebel?

„Als Verbandsbürgermeister Dahner Felsenland gesprochen, sind wir bei der Übernachtungsdauer sehr gut aufgestellt: Wir sind gerade dabei, auch das wissenschaftlich erheben zu lassen, wissen aber aus Erfahrung, dass die Gäste bei uns länger bleiben. Blickt man auf die Teilgebiete, die von der Marktforschung untersucht wurden, schneidet die gesamte Südwestpfalz bei der Beherbergungsdauer gut ab.

Wichtig ist, dass ich den Gästen ein Angebot machen kann, das für mehrere Tage oder gar den Jahresurlaub ausreicht. Das heißt, wir brauchen entsprechende Übernachtungsbetriebe – von hochklassigen Hotels bis zu preisgünstigen Ferienwohnungen und Campingplätzen. Außerdem müssen für spezielle Zielgruppen wie aktive Urlauber, Wanderer, Kletterer und Mountainbiker maßgeschneiderte Angebote bereitstehen. Ein erster Schritt war beispielsweise, dass Gemeinden wie Dahn, Hauenstein, Bad Bergzabern und Annweiler ihr Wanderwege-system radikal umgestellt haben; Stichwort Premium-Wanderregion. Der Schlüssel ist, die eigenen, die lokalen Stärken besonders herauszustellen.“

Funktioniert die Pfalz als Dach und gemeinsame Klammer für die doch sehr unterschiedlichen Regionen?

„Eine einzige Strategie von Ludwigshafen bis Zweibrücken und von Kusel bis Germersheim wird es nicht geben können. Es wird kaum möglich sein, den Tourismus an jedem Ort gleich stark zu verankern. Die Studie hat ja auch gezeigt, wie unterschiedlich die Voraussetzungen regional sind. Trotzdem gibt es überall in der Pfalz noch ausreichend Entwicklungspotenzial.“

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Marion Raschka
Marion Raschka

Freie Wirtschafts-Journalistin für IHK Interaktiv und das Wirtschaftsmagazin Pfalz.

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