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Sicher versorgt?

von | 30.11.2022 | IHK

Die aktuelle Krise droht Europas Wirtschaft und damit auch Pfälzer Unternehmen so fundamental zu verändern wie nichts zuvor. Im ersten Schritt braucht es schnelle Hilfen, damit sich die Märkte beruhigen und Unternehmen sicher planen können. Deswegen sollte der Staat die Energiepreise kurzfristig deckeln, so gewinnen wir Zeit: 200 Milliarden Euro bilden derzeit den Abwehrschirm, plus 95 Milliarden für die Entlastungspakete. Allerdings geht es um weit mehr als nur darum, über den nächsten Winter zu kommen: Es gilt, den Wirtschaftsstandort Deutschland attraktiv zu erhalten.
In der zweiten Phase braucht es neue Marktmodelle, die einerseits Anreize zum Sparen und zu mehr Nachhaltigkeit setzen, zum anderen zukunftsträchtige Innovationen und Investitionen unterstützen. Auf dem Weg dahin müssen Energienetze rasant ausgebaut werden der Anteil der erneuerbaren Energien muss schneller steigen, und die Energieverteilung smart geregelt werden. Wasserstoff mit erneuerbaren Energien muss dort erzeugt und eingesetzt werden, wo gute Solar- und Windbedingungen herrschen und wo es technologisch sinnvoll ist und vieles mehr. Die IHK Pfalz unterstützt ihre Mitglieder in der aktuellen Situation als Berater und adressiert als Botschafter der Wirtschaft die Herausforderungen, mit denen regionale Unternehmen zu kämpfen haben, an Landes-, Bundes- und Europapolitik.
Es ist höchste Zeit
Martin Brudermüller will weniger Gas verbrauchen, und zwar durch technische Optimierungen und die Umstellung auf alternative Brennstoffe. Der BASF-Chef ist mit dem Chemiekonzern allerdings auch der größte Gasverbraucher in der Pfalz. Das pfälzische Stammwerk hat im Jahr 2021 rund 37 Terawattstunden Gas verbraucht – so viel wie die gesamte Schweiz. Dazu kommen weitere energieintensive Unternehmen in der Region – etwa Gießereien, Raffinerien, Papier- und Glashersteller sowie Lebensmittelproduzenten.
Bruttowertschöpfung bricht ein
So wundert es nicht, dass der Wirtschaft in Rheinland-Pfalz die stark gestiegenen Energiepreise besonders zu schaffen machen. Denn der Anteil an Energie-Großverbrauchern liegt hier bei knapp zehn Prozent und damit bundesweit am höchsten. Laut Analyse der Ratingagentur Scope von Ende Oktober 2022 leidet deshalb auch die rheinland-pfälzische Wirtschaft im Vergleich zu den anderen 15 Bundesländern am meisten. Bei den Einbußen der Bruttowertschöpfung in 2022 und 2023 durch Produktionsrückgänge in energieintensiven Industrien liegt das Bundesland unangefochten auf Platz 1 mit minus 1,2 Prozent vor Sachsen-Anhalt mit minus 0,9 Prozent und Nordrhein-Westfalen mit minus 0,7 Prozent. In absoluten Zahlen geht der Effekt in die Milliarden. Bundesweit schätzt Scope die Bruttowertschöpfungsverluste wegen der energieintensiven Industrien auf rund 15,6 Milliarden Euro für 2022 und 2023.

Auch Arbeitsplätze sind in Gefahr: Ein Viertel der Unternehmen in Deutschland plant wegen der gestiegenen Energiepreise, Personal abzubauen. Das ist das Ergebnis einer Ende Oktober veröffentlichten ifo-Studie im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen. Die BASF hat bereits Stellenabbau in Unternehmens-, Service- und Forschungsbereichen angekündigt. 57 Prozent der 1.060 befragten Unternehmen gaben außerdem an, geplante Investitionen zu verschieben. Und 17 Prozent wollen energieintensive Geschäftsfelder ganz aufgeben.

Sofortige Entlastung gefordert
Gründe genug für die DIHK-Vollversammlung der 79 deutschen Industrie- und Handelskammern, in einer Krisenresolution zu fordern, dass das Energieangebot schnell ausgebaut wird und Unternehmen sofort entlastet werden. DIHK-Präsident Peter Adrian sagte, die Tragweite der Krise müsse endlich auch in der Politik ankommen: „Jeden Tag, den die Energiepreise hoch bleiben, müssen mehr Betriebe ihre Tätigkeit zurückfahren, unterbrechen oder sogar ganz einstellen. Damit drohen uns Wohlstandsverluste in bislang unvorstellbarem Ausmaß. Die Wirtschaft braucht deshalb jetzt konkrete Antworten und Taten seitens der Politik.“

Die IHK Pfalz unterstützt die DIHK-Resolution zum Energieangebot in sämtlichen Punkten. „Die Politik muss die richtigen Rahmenbedingungen für Wege durch die Energiekrise schaffen“, so Sarah Sousa, IHK-Pfalz-Energieexpertin. „Sonst kommen immer mehr Unternehmen in die Bredouille. Auch die Pfälzer Wirtschaft braucht konkrete Antworten und Sicherheit für ihre Planung und ihre Investitionen.“ Darüber hinaus kämpft die IHK Pfalz vehement für einen raschen Bürokratieabbau, denn die Genehmigungsprozesse dauerten extrem lange und seien häufig viel zu komplex, so Sousa.

Die IHK Pfalz unterstützt ihre Mitglieder aktiv dabei, bürokratische Hürden zu überwinden. „Wir stellen zum Beispiel Behördenkontakte her oder nehmen strittige Praxisbeispiele mit in die politischen Gremien und beraten im Einzelfall, wo Probleme auftreten könnten“, erläutert Sousa.

Geforderte Sofortmaßnahmen spiegeln Unternehmenswünsche
Die IHK-Organisation empfiehlt der Politik kurzfristig zehn Sofortmaßnahmen, um die Versorgung sicherer zu machen und die Energiekostenbelastung für die Unternehmen zu verringern. „Die Forderungen bilden auch ab, was uns direkt aus den pfälzischen Unternehmen rückgemeldet wurde“, so Sousa. „Vor allem die längere Laufzeit der Kernkraftwerke war unseren Mitgliedern ein Anliegen, weil wir im Südwesten doch weit von der Stromerzeugung im Norden des Landes weg liegen.“ Zum anderen ist der pfälzischen Wirtschaft der Ausbau der erneuerbaren Energien wichtig, da Rheinland-Pfalz ja bis 2030 den kompletten Stromverbrauch damit abdecken will.

 

Zudem sieht ein großer Teil der Wirtschaft in einer stärkeren Förderung von heimischen Gasen inklusive Schiefergas einen wichtigen Beitrag zur Entspannung der Versorgungslage.

Auch hierfür sollten gesetzliche Hürden abgebaut werden. Ebenso sollten die Auswirkungen des ab 2023 geltenden Ölembargos so gering wie möglich gehalten werden. Dazu zählen nicht nur die sichere Versorgung mit Kraftstoffen, Heizöl etc., sondern auch die Sicherung von Raffineriestandorten.

 

Zehn-Punkte-Resolution des DIHK
1. Alle verfügbaren Kohle- und Ölkraftwerke in den Markt zurückholen
2. Verfügbare Kernkraftwerke bis zum Ende der Krise weiterbetreiben
3. Preisbremse für die Wirtschaft einführen
4. Strom- und Gaspreisumlagen in den Bundeshaushalt überführen und Zuschuss zu Netzentgelten  einführen
5. Strom- und Energiesteuer auf Gas auf europäische Mindestsätze senken
6. Entlastungen bei den CO2- Handelssystemen schaffen
7. Dauerhafte Ersatzversorgung Strom und Gas einführen sowie Liquidität der Energieversorger sichern
8. Absicherungsinstrument im Stromsektor einführen
9. Zusätzliches Gasauktionsmodell einführen
10. Heimische Ressourcen stärker nutzen

 

Austauschen und netzwerken
Die IHK Pfalz bietet ihren Mitgliedern alle zwei Wochen ein digitales Austauschformat zur Gas- und Energieversorgung in den Betrieben an. Dort erhalten die Unternehmen zum einen gebündelt relevante Informationen zur aktuellen Entwicklung im Energiesektor. Zum anderen dient das Forum dem Austausch untereinander. Die Teilnahme an der Teams-Konferenz ist kostenlos. Damit reagiert die IHK Pfalz auf die dynamische Entwicklung bei der Gas- und Energieversorgung.

 

Eine Anmeldung für das Dialogformat, das immer freitags ab 15 Uhr über Microsoft Teams stattfindet, ist nicht notwendig. Als weiteren Service bietet die IHK Pfalz einen Sondernewsletter für Unternehmen zur Energielage an. Darin informiert sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen

 

Info

Digitale Infoveranstaltung Gas- und Energieversorgung:

🌐 www.ihk.de/pfalz Nummer 5493854

 

Anmeldung Newsletter:

🌐 www.ihk.de/pfalz Nummer 5573430

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Marion Raschka
Marion Raschka

Freie Wirtschafts-Journalistin für IHK Interaktiv und das Wirtschaftsmagazin Pfalz.

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