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Albrecht Hornbach Gespräch

ÜberlebensKUNST

von | 20.07.2022 | Meinung

Ein lauer Sommerabend, ich sitze noch am Schreibtisch. Die Corona-Krise wirkt in dieser Zeit des Jahres so weit weg wie nie, und viele Events kehren in unseren Alltag zurück. Ich habe wieder Lust, unter Menschen zu sein und das kulturelle Angebot in unserer Region voll auszukosten. Die Pause war fast schon zu lange, als dass man sich schnell wieder an die alte Normalität gewöhnen könnte.

Denken wir einmal an die Zeit vor der Pandemie zurück. Der Sommer war für viele die schönste Zeit des Jahres: Weinfeste, Stadtfeste, Festivals, um nur einige zu nennen. Was einmal fester Bestandteil des täglichen Lebens war, wurde zum heiß ersehnten und teilweise unerreichbaren Luxusgut. So weit die Seite der Konsumenten. Auf der anderen Seite die harten Fakten derer, die in diesem Sektor ihr Geld verdienen: Keine Einnahmen, angewiesen auf Hilfe, finanzielle Not. Da gewinnt der Begriff „Überlebenskünstler“ eine ganz neue Bedeutung. Und das, obwohl sich die Akteure dieser Branche über Jahre hart eine Marktposition erarbeitet haben.

Ein paar Eckdaten, um uns ein Gefühl für die Branche zu geben: In Rheinland-Pfalz sprechen wir von 46.500 Menschen, die in der Kultur- und Kreativwirtschaft beschäftigt sind und einen Gesamtumsatz von rund 4,7 Milliarden Euro in über 9.400 Unternehmen erwirtschaften. Die wirtschaftlichen Auswirkungen kultureller Angebote lassen sich nicht ganz so konkret benennen. Da ist das gastronomische Angebot beim Stadtfest, der Luftballonverkäufer, vielleicht ein verkaufsoffener Sonntag. Damit wird deutlich, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft sehr wohl ein bedeutender Wirtschafts- und Imagefaktor ist.

Doch was bedeutet das genau und wie profitieren wir alle davon? Ein reichhaltiges Angebot an Kultur und Kreativwirtschaft macht Stadt und Land lebendig. Im harten Wettbewerb um Fachkräfte ziehen nun mal die Regionen, die etwas zu bieten haben, Arbeitnehmer mit ihren Familien an. Die Standortumfrage in diesem Magazin zeigt uns, wie attraktiv die Region ist, aber auch, wo ihre Herausforderungen liegen. Zentrales Thema sind die Innenstädte. In Zukunft werden sie sich von einer reinen Shopping- hin zu einer Erlebniswelt wandeln müssen. Hier sind wir auf die Ideen und das Engagement der Künstler und kreativen Profis angewiesen.

Wir dürfen nicht zulassen, dass die Menschen, die unsere Region lebens- und liebenswert machen, trotz guter epidemischer Lage kein Geld erwirtschaften. Daher mein Appell an Sie: Erleben und genießen Sie diesen Sommer ganz bewusst. Besuchen Sie so viele Feste, Konzerte und Theateraufführungen wie möglich. Neben dem persönlichen Genuss helfen Sie damit, dass sich diese bedeutende Branche wieder etablieren, stabilisieren und entfalten kann – zu unser aller Wohl. Rheinland-Pfalz ist gerade 75 Jahre alt geworden, allein das ist schon einer von vielen Gründen, zu feiern!

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Albrecht Hornbach

Albrecht Hornbach

Präsident der IHK Pfalz und Vorstandsvorsitzender der Hornbach Holding AG in Neustadt a.d.W. sowie Aufsichtsratsvorsitzender der HORNBACH-Baumarkt-AG, Bornheim.

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