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Albrecht Hornbach Gespräch

Weckruf Deutschland – innovative Kräfte entfesseln

von | 29.09.2022 | Meinung

Beim Get-together einer IHK-Veranstaltung erklang hinter mir „This is the end of the world as we know it“. Der Song von R.E.M., der als Klingelton genutzt wurde, löste bei mir am Tisch eine längere Diskussion aus. „Das passt ja genau zur aktuellen Situation in Deutschland“, begann diese zu meiner Linken. Es folgte eine rasche Aufzählung der Krisen, die unser Land und die ganze Welt momentan bewegen: Krieg in Europa, hohe Inflation, Hitzewellen und Niedrigwasser, versagende Infrastrukturen und Fachkräftemangel – bis hin zu Affenpocken, Corona und anderen Viren.

Ich möchte hier nichts kleinreden. Die Herausforderungen für unsere Gesellschaft sind gewaltig. Was mich dagegen nachdenklich stimmte, war die depressive Stimmung und Ergebenheit, mit der sich meine Tischnachbarn in die Situation fügten. Die Problembeschreibung nahm viel Zeit ein, über mögliche Lösungen wurde dagegen kaum gesprochen. Tenor: „Da kann man eh’ nichts machen.“

Das mag pathetisch klingen, aber mir schoss durch den Kopf: „Wir sind doch das Land der Dichter und Denker – und heute auch das der Ingenieure und Tüftler.“ Unsere besten Köpfe sollten wir an die Herausforderungen der Digitalisierung, die Bekämpfung von Krankheiten, die Energie- und Verkehrswende und an die Suche nach neuen Geschäftsmodellen setzen. Stattdessen machen wir unseren Fachkräften, von denen wir sowieso zu wenige haben, das Leben mit kiloweise Bürokratie schwer und rauben ihnen die knappe Zeit mit Formularen und komplexen Genehmigungsverfahren.

Ein paar Beispiele gefällig?

  1. Die Bundesländer haben es nicht hinbekommen, sich auf ein einheitliches Verfahren zur Erklärung der neuen Grundsteuer zu verständigen. Jedes Unternehmen und jeder Bürger, der Grundstücke in verschiedenen Ländern besitzt, muss sich nun mit unterschiedlichen Formularen herumschlagen.
  2. Das Lieferkettensorgfaltsgesetz hatte hehre Ziele, zwingt Unternehmen nun aber, die komplette Zulieferkette zu durchleuchten. Ein gigantischer Aufwand, für Mittelständler kaum leistbar.
  3. Die Umsetzung der Arbeitsbedingungsrichtlinie, die auch das reine Kopieren von Gesetzespassagen in alle Arbeitsverträge vorsieht – denn im Jahre 2022 ist nur die Papierform erlaubt. Die ausufernde Bürokratie nervt, demotiviert Fachkräfte und lähmt unseren Standort.

Die Politik muss endlich den Mut finden, das bürokratische Dickicht nachhaltig zu lichten. Genehmigungsverfahren müssen deutlich vereinfacht und verkürzt werden, Formulare entschlackt und etliche Regelungen komplett gestrichen werden. Wir brauchen wieder Zeit für das Wesentliche. Dann steigen auch unsere Chancen, die echten Krisen zu bewältigen.

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Albrecht Hornbach

Albrecht Hornbach

Präsident der IHK Pfalz und Vorstandsvorsitzender der Hornbach Holding AG in Neustadt a.d.W. sowie Aufsichtsratsvorsitzender der HORNBACH-Baumarkt-AG, Bornheim.

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Die Neuesten Kommentare

1 Kommentar

  1. Karen Lill

    Auch die drei Beispiele beschreiben vor allem die Probleme. Es wäre besser, die Lösung, wie sie aussehen könnte, was sich „die Wirtschaft “ wünscht, in den Vordergrund zu stellen. Damit das gewünschte/angestrebte Ergebnis der Vereinfachung beschrieben ist.

    Antworten

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